Puppentheater : Neues Marionettenregime in Pankow

Der Prenzlkasper zieht um. Puppenspieler Christian Bahrmann, bekannt aus dem Kinderfernsehen, eröffnet ein Theater.

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Star der Kinder: Puppenspieler Christian Bahrmann.
Star der Kinder: Puppenspieler Christian Bahrmann.Foto: Paul Zinken

Christian Bahrmann ist auf der Sonnenseite des Lebens angekommen, buchstäblich. Lächelnd steht er am Eingang eines Erdgeschossladens in der Marienburger Straße in Prenzlauer Berg. Gerade ist die Kühltheke geliefert worden; die leeren Edelstahlbehälter, die ab nächster Woche mit verschiedenen Eissorten gefüllt sein werden, glänzen im Frühjahrslicht. Direkt dahinter, von einer Wand abgeschirmt, steht schon das Holzpodest mit den drei Stufen. Am nächsten Wochenende werden hier dutzende Kinder sitzen. Sie werden aufgeregt zugucken, wenn Christian Bahrmann mit „Rotkäppchen“ die neue Spielstätte seines Puppentheaters „Prenzlkasper“ einweiht.

Ein eigenes Theater sei immer sein Traum gewesen, sagt der 36-Jährige, während er mit einem Becher Cola auf der untersten Podeststufe Platz nimmt. In den vergangenen vier Jahren gastierte der „Prenzlkasper“ in den nicht weit entfernten Elias-Höfen in der Senefelderstraße. Das alte Backsteingebäude war früher eine Schule. Nach der Schließung wollte es der Bezirk zum Kulturstandort umfunktionieren. Doch wegen des anhaltenden Kinderbooms und überfüllter Schulen in Prenzlauer Berg soll in den Räumen bald wieder unterrichtet werden. Deshalb müssen Bahrmann und sein Team nun umziehen – an diesem Wochenende laufen die letzten Vorstellungen am alten Standort.

Auch wenn ihm der Abschied aus dem alten Gebäude schwerfällt – die Freude über den Neuanfang überwiegt, sagt der Puppenspieler. Endlich ein Ort direkt an der Straße, ideal, um Laufpublikum anzusprechen. Im alten Gebäude lag der fürs Puppentheater provisorisch hergerichtete Raum im Hinterhof. Hier dagegen, zwischen Kollwitzplatz und Bötzow-Viertel, wo Bahrmann mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt, stimmt auch das Umfeld. Gleich nebenan befindet sich ein großer Spielplatz, auf der gegenüberliegenden Straßenseite gibt es Kinderboutiquen, das Väterzentrum, wo sich Männer zum Erfahrungsaustausch treffen, ist nur wenige Meter entfernt.

Die Suche nach einem neuen Standort war schwierig. Für einige Objekte verlangten Makler utopische Preise von mehr als 20 Euro pro Quadratmeter. Bahrmann dachte sogar daran, mit dem Prenzlkasper in einen der angrenzenden Bezirke zu ziehen. Doch dann wurde er per Zufall auf das leer stehende Café in der Marienburger Straße aufmerksam. Dass er den Zuschlag unter den vielen Interessenten erhielt, lag vermutlich daran, dass die Vermieterin zum Besichtigungstermin ihre kleine Tochter mitgebracht hatte. „Das ist doch der Christian, den kenn’ ich“, sagte das Kind zu seiner Mutter. Bahrmann bekam den Mietvertrag.

Dass Christian Bahrmann von Kindern erkannt und angesprochen wird, liegt nicht nur an seinem Erfolg als Puppenspieler. Die meisten kennen ihn aus dem Fernsehen: Auf Kika moderiert er die Sendung „Kikaninchen“. Die Show um das blaue, animierte Nagetier startete 2009. Seither ist Bahrmann einer der Stars des Senders. Fürs Fernsehen entdeckt wurde der Ost-Berliner während einer Aufführung. Einer der Chefs des Senders saß im Publikum, war von Bahrmann und seiner Interaktion mit den Kindern begeistert. Der Puppenspieler wurde zum Casting eingeladen und erhielt den Zuschlag. Die erste Staffel der Sendung wurde ein Jahr lang vorproduziert. In Erfurt, dem Sitz von Kika. Seine Familie sah Bahrmann in der Zeit nur wenig.

Ursprünglich wollte er Lehrer werden, erzählt Bahrmann. Doch das Studium an der Humboldt-Uni brach er ab. Wenig später bewarb er sich an der Schauspielschule Ernst Busch für den Studiengang „Puppenspielkunst“. Schon in dieser Zeit führte er eigene Stücke auf.

Heute genießt Christian Bahrmann den Erfolg. Neulich hat er mal nachgerechnet, wie viele Vorstellungen er bislang gespielt hat. Er ist auf 3200 gekommen. Wenn Bahrmann hinter der Bühne steht und seine Puppen zum Leben erwachen lässt, dann lachen nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern. „Ich möchte meinem Publikum gute Unterhaltung bieten. Das funktioniert nur, wenn sich auch die Erwachsenen amüsieren, denn nur dann kommen die Familien wieder.“ Inzwischen kommen seine Zuschauer nicht nur aus Prenzlauer Berg, sondern auch aus Kleinmachnow oder sogar aus Frankfurt (Oder) angereist.

Letzte Vorstellungen in den Elias-Höfen am heutigen Sonnabend (15.30 und 17 Uhr) und am Sonntag (11, 15.30 und 17 Uhr), Senefelder Str. 6. Premiere am 2. April um 17 Uhr in der Marienburger Str. 39. Eintritt: 5 Euro. Weitere Infos: www.prenzlkasper.de

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