Reformationstag : Luther aus Lübars

Und wie begehen Sie den Reformationstag? Ein Pfarrer mit berühmtem Nachnamen antwortet.

Benjamin Lassiwe
axel luther
Der Dorfpfarrer. Axel Luther predigt seit 37 Jahren im Norden Berlins. -Foto: Thilo Rückeis

Wenn Pfarrer Axel Luther in Lübars über die Straße geht, kennen ihn die Menschen. Er grüßt, schüttelt Hände. Seit 1971 ist der 65-jährige Theologe mit dem weißen Vollbart, der runden Brille und dem berühmten Nachnamen Pfarrer im Norden Berlins. Und dort, wo die Landwirte noch stolz darauf sind, dass ihre Familie seit Generationen der Kirchengemeinde ein Brot zum Erntedankfest stiftet, ist die kirchliche Welt noch in Ordnung. „60 bis 80 Menschen kommen zu einem normalen Gottesdienst in die Dorfkirche“, sagt Luther. Auch bei Taufen und Trauungen ist die Gemeinde sehr beliebt: Auf einem großen, in der Kirche hängenden Holzfisch, auf dem die Gemeinde von Ostern bis Ostern die Namen aller Täuflinge notiert, ist kaum noch Platz.

Auch der 31. Oktober wird von Pfarrer Luther gern begangen. „Es ist ja schließlich der Geburtstag der Kirche“, sagt der Theologe über den Reformationstag, an dem Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll. Wobei der aus Heiligensee stammende Pfarrer die Schriften Martin Luthers wegen der Namensgleichheit zwar „besonders interessiert“ gelesen hat, ansonsten aber eher unsicher ist, was die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Reformator angeht. „Mein Großvater trug noch Luthers Wappen in seinem Siegel, aber eigentlich stammt unsere Familie aus Westpreußen“, sagt der Nordberliner Pfarrer. „Vielleicht stammen wir von Jakob Luther ab, einem Bruder des Reformators – aber sicher ist das nicht.“

In jedem Fall brachte der Familienname des evangelischen Theologen aber schon den Papst zum Schmunzeln: Denn Luther, der sich schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs mit Hilfstransporten und Besuchen für die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Polen engagierte, wurde einst dem damaligen Papst Johannes Paul II. in Breslau vorgestellt. „Da zog der Papst die Augenbrauen hoch, lachte, und sagte: Gott vergelt’s“, erinnert sich Axel Luther. „Und dann unterhielt er sich mit mir so lange wie mit keinem der Bischöfe rundum – ein besseres Signal zur Anerkennung der Evangelischen als Christen hätte es damals im konservativ-katholischen Polen kaum geben können.“

Bis heute engagiert sich Axel Luther im Austausch mit den Protestanten Polens. Immer wieder veranstaltet er Reisen in das Nachbarland, regelmäßig predigt er in Breslau, und einmal im Jahr feiert man gemeinsam den Advent. Weswegen die Republik Polen Pfarrer Axel Luther vor kurzem mit ihrem Goldenen Verdienstkreuz auszeichnete.

Doch gut lutherisch ist der Theologe auch für Veränderungen in seiner Kirche offen. Schließlich ist der Martin Luther zugesprochene Ausspruch „Ecclesia semper reformanda“ – „Die Kirche reformiert sich immer weiter“ – auch im dörflichen Norden von Berlin bis heute aktuell. Als der Bibelkreis in der Lübarser Kirchengemeinde eines Tages nur noch von einer Handvoll meist älterer Teilnehmer besucht wurde, startete Luther den „Bibelbrunch“. Alle drei Wochen trifft man sich im Gemeindehaus Lübars. „Wir frühstücken zusammen und hören auf die Worte der Bergpredigt oder die Gleichnisse Jesu“, sagt Axel Luther. Das Ergebnis ist beachtlich: Die Zahl der Teilnehmer hat sich vervielfacht.

Doch an einer Stelle weiß auch der Pfarrer aus Lübars nicht weiter: „Die Zahl der Konfirmanden nimmt beständig ab“. Während in der Gemeinde in den 80er Jahren noch rund 180 Jugendliche gleichzeitig den mehrjährigen Unterricht besuchten, sind es heute nur noch etwa 30. „Vielleicht liegt das an meinen veralteten Lehrmethoden, vielleicht auch am demografischen Wandel“, sagt Pfarrer Axel Luther, der zum Jahresende in Pension geht. „Aber darüber wird sich dann meine Nachfolgerin ihre eigenen Gedanken machen müssen.“ Benjamin Lassiwe

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