Retro-Match : Viktoria 1893 Berlin siegt nach 113 Jahren erneut

Viktoria 1893 Berlin hat gestern die erste Deutsche Fußball-Meisterschaft von 1894 gewonnen. 113 Jahre nach der Entscheidung am Grünen Tisch hat das Team in einer Fanwiederholung den Sieg auch auf dem Rasen bestätigt. Ein weiteres "Retro-Match" gegen Real Madrid ist geplant.

Fußball
Zeitreise ins Jahr 1894: Viktoria Berlin hat in einem "Retro-Match" die 1. Deutsche Fußballmeisterschaft geholt. -Foto: ddp

BerlinNach 113 Jahre hat sich jetzt eine am grünen Tisch getroffene Entscheidung auch auf dem Rasen bestätigt. Am Samstag gewann Viktoria 1893 Berlin gegen den 1. FC Hanau 93 die 1. Deutsche Fußballmeisterschaft. Zwar gelingt dem Berliner Verbandsligisten im Friedrich-Ebert-Stadion in Tempelhof nur ein 1:1 gegen den hessischen Bezirksligisten, doch hatten sie das Hinspiel vor einer Woche in Hanau deutlich gewonnen.

1894 hatte es dieses Spiel schon einmal geben sollen. Doch den Hessen fehlte das Geld für die Anreise. Viktoria gewann kampflos. Die Begeisterung für den als Proletensport geltenden Fußball hatte erst wenige Jahre zuvor Deutschland erreicht. Die Berliner wurden ab 1893 fünf Mal in Folge Stadtmeister. Der hessische Verband delegierte die Hanauer ins Endspiel. Für Viktoria folgten noch zwei weitere Meisterschaften und das Spiel von 1960.

Für die Finalwiederholung haben die Berliner extra einen Lederball und Retro-Trikots anfertigen lassen. Ein Oldtimer von 1911 fährt vor den Mannschaften ins Tempelhofer Stadion. Neben der Fahrerin sitzt Herthino, das Maskottchen des Bundesligisten aus der Hauptstadt. "Wir haben mehr Meisterschaften im Briefkopf als die Herthaner", betont Viktorias Präsident Sven Leistikow. Eine Kapelle spielt die deutsche Nationalhymne.

Pokal zerbricht in stürmischer Siegesfeier

Nach dem Abpfiff steht fest, dass die Geschichte nicht neu geschrieben werden muss. Sie bekommt nur eine neue Fußnote: bei der stürmischen Siegerfeier zerbricht der eigens angefertigte Pokal in mehrere Teil. Und die Vereinschronik kann vermerken, dass zur Halbzeit Viktorias Torwart unter dem Applaus der rund 800 Zuschauer seine Karriere beendet. Ein Abtritt als Meister.

Präsident Leistikow hatte vor ein paar Jahren die Idee, die erfolgreiche Vergangenheit seines Vereins Viktoria Berlin wieder in Erinnerung zu rufen. Die Aufmerksamkeit will er nutzen, um die Jugendarbeit voranzutreiben und soziale Projekte zu unterstützen. Mit den "Retro-Matches" soll zudem das sportlich bescheiden gewordene Dasein des Verbandsligisten aufgepeppt werden.

1907 verloren die Berliner die Meisterschaft gegen den Freiburger FC. 100 Jahre später siegten die Breisgauer in der Summe beider Spiele erneut. Am kommenden Dienstag entscheiden die Stuttgarter Kickers, ob sie das mit 1:3 verlorene Finale von 1908 wiederholen wollen. Mit dem selben Ergebnis fuhren 1911 die Leipziger nach Hause. Auch der Kontakt sei bereits hergestellt, sagt Leistikow.

Real Madrid hat prinzipiell zugesagt

1960 gelingt den Berlinern, die drohende Zahlungsunfähigkeit vor Augen, ein Coup. Der Verein lädt den spanischen Verein Real Madrid ins Olympiastadion. Die traten mit ihrer Jahrhundertelf an, darunter der Ungar Ferenc Puskas und Alfrédo di Stefano. Verstärkt mit Spielern des Stadtrivalen Hertha BSC verlieren die Berliner vor 30.000 Zuschauern mit 0:1. Am Ende nahmen sie ihrer Vereinschronik zufolge 40.000 DM ein.

2010 jährt sich das Spiel zum 50. Mal. Leistikow hat schon angefragt. Die Spanier haben prinzipiell zugesagt. Doch noch haben sich beide Vereine auf keinen Termin einigen können, sagte der umtriebige Präsident. Für Viktoria Berlin seien mehrere Varianten denkbar, betont er. Statt der Weltstars könnten auch die Amateure von Real antreten. Anpfiff muss nicht im Olympiastadion sein. Auch das Bernabéu Stadion in Madrid ist schön. Zu Not reiche auch ein Amateurplatz der Spanier, sagt Leistikow.

Für den Präsidenten sind diese Ereignisse in Sepia zugleich ernste Testspiele für die anstehende Saison in der Verbandsliga. Die Spiele gegen die Hanauer hätten mannschaftsinterne Probleme offenbart, sagte er. Der Trainer greift durch. "Die Saison wird hart", prophezeit Leistikow. "Da können wir Unruhe im Team nicht gebrauchen." (mit ddp)

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