Rolf Edens Filmbiografie : "The Big Eden": Die Waffen des Mannes

Nach dem Erfolg auf der Berlinale kommt die Filmbiografie über Rolf Eden, "Deutschlands Playboy Nummer eins" nun in die Kinos.

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Rolf Eden dominierte den Amüsierbetrieb im Nachkriegs-Berlin. Er rühmt sich, mindestens 1000 Frauen verführt zu haben. Die Rolle als Playboy inszenierte er mit viel Leidenschaft, aber auch geschäftlichem Kalkül.Weitere Bilder anzeigen
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08.12.2011 13:20Rolf Eden dominierte den Amüsierbetrieb im Nachkriegs-Berlin. Er rühmt sich, mindestens 1000 Frauen verführt zu haben. Die Rolle...

„Sir Rolf Grundstück GmbH“ steht draußen auf dem Messingschild. Eine andere Firma hört auf den Namen „Playboy Club GmbH“. Das Eden-Büro in der Wilmersdorfer Straße teilt seine Adresse mit einer Spielhalle und einem Karaokeschuppen. Altes West-Berlin. Doch auch Sir Rolf ist ja nicht mehr taufrisch. Seine Trefferquote beim weiblichen Geschlecht sei auf 20 Prozent gefallen, bekennt der 81-Jährige. Höchste Zeit gegenzusteuern. Der Film – sein Film – dürfte ihm ein paar neue Betthäsinnen zuspielen, glaubt er. Nebenbei ist Rolf Eden auch am geschäftlichen Erfolg beteiligt. Prominenz, Geld und Sex sind bei „Deutschlands Playboy Nummer eins“ schon immer eine fruchtbare Liaison eingegangen.

An diesem Donnerstag kommt der Dokumentarfilm „The Big Eden“ von Peter Dörfler in die Kinos, abends ist Premiere im Cinema Paris. Auf der Berlinale hatte die Filmbiografie über den egomanischen Verführer, Ku’damm-Flaneur und Immobilienmillionär gute Kritiken eingeheimst. Die familiäre Seite des Sonnyboys wird beleuchtet, jenseits des bekannten Boulevard-Clowns im beigen Anzug. Sieben Kinder mit sieben Frauen, da erwartet der Kinogänger einen Rosenkrieg an mehreren Fronten, doch dem Voyeur wird davon wenig geboten. Eden ist zu schlau und zu reich, um sich auf Scharmützel mit Verflossenen einzulassen. Etwaige Frustrationen über mangelnde Zuwendung werden mit Geldpflaster bekämpft. Eden sagt, sein Regisseur Dörfler habe die Suche nach einem bekennenden Eden-Hasser irgendwann verzweifelt aufgegeben.

Über das Altern redet Rolf Eden nicht. Es findet für ihn gar nicht statt. Die Falten im solariumgebräunten Gesicht sind echt, die blonden Haare gefärbt, aber sonst sei alles wie immer. Partys, Empfänge, Talkshowauftritte. „Ich quatsch über alles.“ Eden braucht den Jungbrunnen des Nachtlebens und die Blitzlichter der Promifotografen. „Ich möchte überall eingeladen werden.“ Der Tag beginnt frühestens nach 13 Uhr. Dann sitzt er im Büro, umgeben von Fotodokumenten seiner tollen Jahre, und kontrolliert die Abrechnungen von 26 Berliner Häusern, seinem materiellen Fundament. Die Eden-Clubs vom Ku’damm sind inzwischen Legende. Alle verkauft.

Ein Nachfolger für seine Playboy-Rolle ist nicht in Sicht. Seine Kinder seien ungeeignet, sagt Eden. Allesamt anständige, bürgerliche Normalmenschen. Deshalb will er im kommenden Jahr seine Memoiren schreiben lassen. Die jungen Männer sollen „Impulse“ bekommen, wie man sich „ein schönes Leben“ macht. Und wie geht das? Einfach Glück haben, sagt Eden immer wieder, er muss es sagen, weil ein Playboy nicht wirklich zu harter Arbeit taugt. Als er noch der Partywirt vom Ku’damm war, tourte er mit Rolls-Royce und Chauffeur jeden Abend durch seine Läden, um den entscheidenden Eden-Faktor auszuspielen. Attraktive Damen bekamen Gratissekt und traten zu Misswahlen an, um die Männerhorde in Wallung zu bringen. Und Big Rolf erklärte seinen Jüngern, wie man die Mädels rumkriegt. Goldene Regeln des gastronomischen Erfolgs, die Eden leidenschaftlich befolgte.

Nach dem Filmabend werden sich wieder alle fragen, ob Rolf Eden wirklich so ist, wie er zu sein vorgibt, oder doch nur willfähriges Opfer seiner eigenen PR-Inszenierung. Über solche intellektuell angehauchten Diskurse kann sich Sir Rolf nur freuen, denn er ahnt, dass sie den Diskutanten den Abend ein wenig versüßen – ganz ohne Sex. Eden gibt gerne den Antiintellektuellen und behandelt Frauen wie Schmuckgegenstände. Von tiefgründelnder Deutungshuberei und Psychogrammatik vergeht ihm die Lust. Edens Botschaft lautet anders: kleine Geschenke verteilen, über niemanden schlecht reden, alles Negative ausblenden. Keine Politik, kein Palaver über Krankheiten oder den Tod. Schönreden, bis es quietscht. Klimaveränderung? Gerne mehr davon, dann müsste er nicht immer winters nach Miami fliegen, sondern könnte mal zu Hause Weihnachten feiern. Mit allen sieben Kindern, fünf Enkelkindern und dem Urenkel unterm Baum.

„Big Eden“ läuft ab 8.12. in den Kinos Cinema Paris, Kulturbrauerei, Babylon Kreuzberg und Cinemaxx Potsdamer Platz.

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