Stadtleben : Rossini macht munter

Etta Hilsberg und ihre Camerata vocale haben heute im Konzerthaus ihren großen Auftritt

Christina Kohl

Ein dumpfes, schnelles Klopfen geht durch die Reihen der Aula in der Evangelischen Schule Charlottenburg an der Guerickestraße. Etwa 60 Frauen und Männer bearbeiten zunächst ihren rechten, dann den linken Arm. „Wir machen uns erstmal wach“, ruft Etta Hilsberg, die ihnen vorn auf der Bühne gegenüber steht. Es ist Dienstagabend, 18 Uhr 45, Aufwärmphase von drei Stunden Chorprobe. Seit mehr als 20 Jahren leitet Etta Hilsberg die Camerata vocale.

Die Sänger stehen gemischt auf den sieben aufsteigenden gelben Bänken verteilt, manche allein, andere in kleinen Gruppen. Etta Hilsberg fährt mit dem Einsingen fort: „Plop-plop-plop“. Ihre rechte Hand am Flügel, singt sie die Quinten rauf und runter, eine ganze Tonleiter hoch. Der Chor stimmt umgehend ein, er kennt die Übung. „Und jetzt bitte ein bisschen freundlicher“, ruft Etta Hilsberg. Erst vorsichtig, dann immer kräftiger füllen die Stimmen den kargen Raum. Zwei Herren verstecken ihre Hände in den Hosentaschen. Zwischendurch lächelt einer.

Nach rund 20 Minuten setzt sich Andreas Lisius an das Klavier. Das ist das Zeichen: Die Frauen und Männer stellen sich dichter zusammen und holen ihre roten Hefte hervor. Lisius ist Korrepetitor der Camerata vocale und begleitet den Chor bei der Petite Messe solennelle des italienischen Komponisten Gioachino Rossini. Heute will die Camerata die „kleine feierliche Messe“ – ein ironischer Titel des rund 90-minütigen Werks – im Konzerthaus am Gendarmenmarkt aufführen. Unterstützt werden sie dabei von Georg Lutz am Harmonium und vier Gesangssolisten.

1985 gründete Etta Hilsberg die Camerata vocale. Seitdem dirigiert und führt die studierte Kirchenmusikerin aus Schleswig-Holstein den Laienchor. Viermal jährlich tritt die Camerata in der Philharmonie und im Konzerthaus auf. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde Hilsberg jüngst von Bundespräsident Horst Köhler geehrt.

Eines der Gründungsmitglieder der Camerata ist die 44-jährige Kirsten Kammann. Bei den Proben könne sie „komplett abschalten“, sagt die Landschaftsplanerin, die jeden Dienstag nach der Arbeit zum Singen in die Guerickestraße kommt. Bei Rossinis monumentalem Gloria vergeht die Müdigkeit. „Nach den Proben sind alle wieder hellwach“, sagt Etta Hilsberg, und lächelt.Christina Kohl

Das heutige Konzert im Großen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt beginnt um 20 Uhr. Die Camerata vocale sucht engagierte Sängerinnen und Sänger. Informationen unter www.camerata-vocale.de

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