Ruf der Straße : Einzige Urban Art Messe öffnet in Berlin

Die „Stroke“ ist die weltweit einzige Messe für Urban Art. Marco Schwalbe zeigt sie ab Donnerstag zum ersten Mal in Berlin - und verspricht mehr als Graffiti.

von

Berlin ist voll mit Kunst an diesem Wochenende, an jeder Ecke ist eine Kunstmesse. Neben den großen Schauen „Art Forum“, „Kunstsalon“, „Preview“, „Berliner Liste“ und „abc“ ist in diesem Jahr auch die 2009 in München gegründete „Stroke Artfair“ nach Berlin gekommen – sie ist laut Veranstaltern die erste und weltweit einzige Messe für Urban Art.

Urban Art, das ist Kunst, die von der Straße kommt, die sich aus freien Kunstformen im öffentlichen Raum, wie etwa Graffiti, Schablonenmalerei oder wildem Plakatieren, entwickelt hat. „Wir wollen eine Alternative zum etablierten Kunstbetrieb sein“, sagt Marco Schwalbe, der die „Stroke“ zusammen mit seinem Bruder Raiko organisiert. Er steht auf dem Hof der „Station“ an der Luckenwalder Straße am Gleisdreieck. Hinter Marco zieht der Graffiti-Künstler Chor Boogie aus San Francisco bunte Sprühschlieren auf eine Leinwand, es riecht nach Farbe.

Ab dem heutigen Donnerstagabend werden sich auf rund 3000 Quadratmetern in den Hallen des ehemaligen Paketbahnhofs 25 internationale Galerien und acht Einzelkünstler präsentieren, dazu werden digitale Kunstwerke auf Bildschirmen gezeigt. Weitere Künstler werden auf Leinwänden auf dem Gelände sowie auf Häuserwänden überall in der Stadt Werke schaffen, etwa in der Ritterstraße in Kreuzberg, an der Maria am Ostbahnhof oder an der Schönhauser Allee. So tragen sie den Geist der Messe ins Stadtbild.

Aber: „Wir präsentieren nicht einfach Graffiti“, betont Marco Schwalbe. Vielmehr zeige man, „was sich aus der Subkultur der Street Art entwickelt hat“, Einflüsse von Grafikdesign oder Comic sind in vielen der gezeigten Werke erkennbar. Die „Stroke“-Kunst müsse als Kunst ernst genommen werden, sagt der 34-Jährige.

Die Schwalbe-Brüder kommen aus Pankow, 2007 gründeten sie zusammen die Street-Art-Galerie „Intoxicated Demons“ in Berlin. Raiko lebte schon damals in München, die erste Ausstellung, die die beiden dort im Mai 2009 veranstalteten, war ein voller Erfolg – und die Idee einer Messe geboren. Ein halbes Jahr darauf fand die erste „Stroke“ statt, die zweite Ausgabe folgte im Mai dieses Jahres.

Mit den drei Events haben die Schwalbes nach eigenen Angaben mehr als 500 Künstler präsentiert und über 20 000 Besucher angezogen. „Darunter waren Leute von 16 bis 76“, sagt Marco Schwalbe. „Bei uns herrscht keine Kathedralisierung, man kann ohne Berührungsängste kommen.“ Und vielleicht sogar etwas kaufen: Die Arbeiten sind vergleichsweise erschwinglich, sie kosten laut Schwalbe zwischen 200 und 3000 Euro.

Jetzt also Berlin – warum? Natürlich wegen der anderen Schauen, sagt Marco Schwalbe. „Wir wollen zeigen, dass wir da sind!“ In Zukunft seien auch andere europäische Städte als Veranstaltungsorte denkbar, zwei Mal jährlich soll die „Stroke“ stattfinden – wenn genügend Besucher kommen. Für die gibt es neben der Kunst eine Lounge, Konzerte – und am Samstag eine Abschlussparty.

Marc Scherer ist mit seiner Galerie ATM von Anfang an bei der „Stroke“ dabei. „Das ist eine Chance – die anderen Messen kosten das Drei- oder Vierfache“. Zudem könne er hier Werke präsentieren, „die man sonst nicht zeigen kann“, etwa die schweren Betonskulpturen des Street-Art-Künstlers Emess. Scherer hat außerdem Fotos des Berliners Just dabei, und handgestickte Arbeiten des Graffiti-Künstlers Eliot. „Die ,Stroke‘ ist auch ein Familientreffen“, sagt der Galerist aus Mitte, man tausche sich aus, knüpfe neue Kontakte. Und mit den Verkäufen war Scherer auch immer zufrieden.

Die „Stroke“ findet statt in der „Station“, Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg. Vernissage Donnerstag 18-23 Uhr. Geöffnet Fr/ Sa 13-23 Uhr, So 13-18 Uhr, Eintritt 8 Euro, Infos: www.stroke03.com

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben