Sammlung : Professor verschenkt 350 Roboter ans Technikmuseum

Bierdeckel, Handys – das Technikmuseum will nicht jede Sammlung. Bei Jörg Jochen Berns, 71, war das ganz anders: Er schenkte dem Haus seine 350 Spielfiguren.

 Eva Kalwa
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Sein Spielzeug lagert jetzt im Depot. Literaturprofessor Berns hat die Figuren seit 1970 gesammelt. Jetzt hat er sie dem Museum...Foto: Thilo Rückeis

Sie qualmen aus dem Kopf, schießen Plastikscheiben aus der Brust oder senden Kamerabilder aus dem Bauch: Spielzeugroboter vermögen vieles, was Menschen nicht können, und das beflügelt die Fantasie von Kindern wie von Erwachsenen. Zu den größten Fans dieser Spielzeuge gehört Jörg Jochen Berns. Rund 350 Figuren hat der emeritierte Marburger Literaturprofessor seit 1970 in Kaufhäusern oder auf Flohmärkten erstanden oder von seiner Familie sowie Freunden und Studenten geschenkt bekommen. Nun hat der 71-Jährige, der seit seiner Pensionierung in Charlottenburg lebt, seine Sammlung dem Deutschen Technikmuseum vermacht. – Für eine Schenkungsurkunde und eine Dauerkarte.

„Am meisten Spaß hatten meine Studenten und ich bei unseren Feiern, wenn wir vierzig Roboter in einer Reihe aufstellten und dann das Licht ausmachten. Wie es im Dunkeln zu blitzen, blinken und leuchten beginnt – das ist eine Wucht“, erinnert sich Berns. Nun steht er vor einer langen Regalreihe in einer von mehreren großen Lagerhallen des Museumsdepots und sieht zu, wie seine mit Nummern versehenen Roboter, sorgfältig in Papierschachteln verpackt, eingelagert werden. Irgendwann wird das Technikmuseum eine Ausstellung mit ihnen machen, wann genau, ist allerdings noch nicht klar. „Wir bemühen uns so bald wie möglich darum. Denn das Wunderbare an diesen Figuren ist, dass sie zum einen kulturelles Gedächtnis vermitteln, zum anderen aber auch immer aufs Neue zu faszinieren vermögen“, sagt Justyna Czerniak vom Technikmuseum.

Es kommt häufig vor, dass Sammler oder Besitzer alter Gegenstände dem Museum ihre Schätze anbieten. Doch viele müssten abgelehnt werden, da sie entweder schon vorhanden seien oder nicht ins Sammlungskonzept passten, erzählt Depotleiter Dietmar Ruppert. „Manchmal kommen Menschen mit einer Sammlung der ersten Handys oder alter Fernseher zu uns, die haben für uns aber fast nie Seltenheitswert“, so Ruppert. Selbst Bierdeckelsammlungen seien schon häufiger angeboten worden. Manchmal allerdings käme das Museum auf diese Weise zu einigen seiner tollsten Stücke: So wie die aus einem Berliner Krankenhaus stammende „eiserne Lunge“, deren Stahlzylinder an die ersten Perry-Rhodan-Comics erinnere. Oder eine private Sammlung fast 300 Jahre alter Bierflaschen aus dem Berliner Raum, die nun die historische Brauerei des Museums bereichert. Das Besondere an Berns Roboter-Sammlung ist die ästhetische Vielfalt der Spielzeuge: Es gibt possierliche aus Blech, die man mit der Hand aufziehen muss oder deren Augen nur mechanisch bewegt werden können. Es gibt Plastikmodelle – wie eine cremeweiße Figur, die Berns in den siebziger Jahren in Moskau gekauft hat – die alten Science-Fiction-Filmen entstiegen sein könnten. Andere Roboter wieder sehen so aus, als hätten sie mit ihren dicken Panzerungen und ihrem ausgefeilten technischen Equipment gerade noch am neuesten martialischen Weltraumabenteuer Hollywoods teilgenommen. Sogar ein Holzroboter aus Rumänien und mehrere Tiere sind darunter: Ein Papagei, den man mittels Fernsteuerung zum Sprechen bringen kann und ein mit dem Schwanz wedelnder großer grauer Robo-Hund.

„Das Spannende an den Figuren ist, dass ihr futuristisches Aussehen immer mehr verspricht, als es hält. Sie haben vielleicht viele Knöpfe und Schläuche, aber oft nur ein oder zwei Funktionen“, sagt Berns. Daher würden Spielzeugroboter zugleich Maschinen und Menschen karikieren, das eine erscheine uns dann eher witzig-grotesk, das andere vielversprechend oder bedrohlich. Der Literaturwissenschaftler hat viel zur höfischen Kultur und dabei speziell auch zu höfischen Automaten geforscht. „Die ersten gab es schon kurz nach der Erfindung der Uhr im 13. Jahrhundert, wie man heute noch an den Glockenspielen vieler alter Kirchen sehen kann“, so Berns.

Seinen ersten Roboter hat Berns 1970 in einem Kaufhaus gekauft. Damals faszinierte ihn die Vielfalt des Angebots zu einem verhältnismäßig geringen Preis, und so wurde seine Sammelleidenschaft entfacht. Heute findet er neue Schätze auf Kinder-Flohmärkten auf der Wilmersdorfer Straße oder auf dem Flohmarkt am Rathaus Schöneberg. Anders als andere Sammler war Berns nie bereit, hunderte von Mark oder Euro für eine Figur auszugeben. „Mich interessiert nicht der materielle Wert, sondern vor allem die Varianz“, sagt er. Die Glasvitrinen, in denen er seine Objekte zu Hause im Wohnzimmer ausgestellt hatte, hat Berns mittlerweile verschenkt. Möglicherweise aber etwas zu voreilig, denn der Roboter-Fan sammelt weiter.

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