Sanierung : Keiner will den Kreisel kaufen

Finanzsenator Thilo Sarrazin findet keinen Interessenten für das asbestbelastete Steglitzer Hochhaus. Nun muss das Land den Bau selbst sanieren.

Christian van Lessen
steglitzer kreisel
Steglitzer Kreisel. Zwei Jahre soll die Asbestsanierung dauern. Die anschließende Nutzung ist ungewiss. -Foto: Thilo Rückeis

Weil sich für den Kreisel kein Käufer gefunden hat, wird das Land Berlin nun selbst die Asbest-Beseitigung übernehmen. Mit den Arbeiten können wegen der Planungs- und Ausschreibungsfristen frühestens in einem Jahr begonnen werden, teilte die Finanzverwaltung auf Anfrage mit. Die landeseigene Berliner Immobilien-Management-Gesellschaft (BIM) werde die Arbeiten in die Wege leiten. Die Sanierung in eigener Regie sei jetzt die wirtschaftlichste Lösung. Und die Konsequenz aus dem misslungenen Versuch, das Hochhaus „im jetzigen Zustand“ an einen Investor zu verkaufen.

Vergeblich hatten Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und der Liegenschaftsfonds in den vergangenen Monaten das leerstehende Hochhaus auf dem Immobilienmarkt angeboten. Der Versuch, so Matthias Kolbeck aus der Verwaltung, sei nun endgültig aufgegeben. Wie berichtet, sind für die Sanierung vor zwei Jahren 17 Millionen Euro veranschlagt worden. Ob sich die Summe inzwischen erhöht hat, muss noch geprüft werden.

Die Firma Becker & Kries, der als Miteigentümer der schon seit Jahren asbestsanierte Flachtrakt des Kreisels gehört, reagierte gestern zurückhaltend. Es gebe kein Konzept für den Wiederaufbau, sagte Geschäftsführer Christian Kube. Die Landesmittel reichten nur aus, Asbest zu beseitigen, nicht aber, das Haus komplett herzurichten. So bleibe nach der Asbestsanierung nur ein Gerippe übrig.

Auch müsse die Firma über Termine für die geplante „Riesenbaustelle“ informiert werden. Wie berichtet, klagen die Miteigentümer gegen das Land Berlin: Es müsse seinen Gebäudeteil in einen „vertragsgerechten Zustand“ bringen, instandhalten und sich dauerhaft um die Unterhaltung kümmern. Mieter des Flachtraktes seien verunsichert, wie es langfristig mit dem Hochhaus, das zunehmend verwahrlost wirke, weitergehen solle, es fehlten Perspektiven. Der Liegenschaftsfonds hatte noch vergangene Woche mitgeteilt, er habe mit dem Kreisel nichts mehr zu tun. Die BIM verwies darauf, sie sei bislang nur mit der „Leerstandsbewirtschaftung“ beauftragt. Sie alle warteten auf eine klare Entscheidung des Finanzsenators, die nun offenbar gefallen ist. Die weitere Zukunft des Hauses nach der Asbestsanierung ist allerdings offen. Das Hochhaus war im November 2007 vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf geräumt worden. Der Bezirk, der mit seinen meisten Mitarbeitern ins alte Rathaus Zehlendorf umzog, hatte ursprünglich gehofft, nach der Sanierung wieder in das verkehrsgünstig gelegene Hochhaus an der Schloßstraße einziehen zu können. Der Senat aber beschloss, dass der Kreisel als Rathaus ausgedient hat. Es war auch von Interessenten die Rede, die im sanierten Hochhaus Wohnungen, Büros und ein Hotel einrichten könnten. Ein Investor fand sich aber nicht.

Der nach einem früheren Kreisverkehr benannte Bau war nach Pleiten und Zwangsversteigerungen zum Sinnbild Berliner Bauskandale geworden. Ins Hochhaus zog dann vor 28 Jahren die Bezirksverwaltung ein. Im Juni 2006 hatte das Abgeordnetenhaus beschlossen, den gesundheitsgefährdenden Bau zu räumen und 700 Bedienstete auf andere Orte zu verteilen. Der Umzug kostete einschließlich nötiger Umbauten rund 15 Millionen Euro. Für das Hochhaus war auch ein Abriss im Gespräch, letztlich entschied sich der Senat, das Gebäude zu erhalten.

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