Saubere Hauptstadt : Idee zum Baden in der Spree

Nach der Arbeit mal eben in die Spree hüpfen. Der Traum soll in ein paar Jahren Wirklichkeit werden. Und der Berliner Ingenieur Ralf Steeg hat auch schon eine Idee, wie das gehen soll. Im September startet sein Projekt.

Till Erdtracht[ddp]
Idee fuer eine saubere Spree
Eine Computergrafik des Projekts "Spree 2011". -Foto: ddp

BerlinIn vielen deutschen Flüssen darf im Sommer gebadet werden. Die Berliner Spree zählt nicht dazu. Träge quält sich die braune Brühe durch die Hauptstadt, und gerade nach Unwettern konzentrieren sich darin Krankheitserreger wie Colibakterien. Kurzum: Im Gegensatz zu anderen Gewässern Berlins ist die Spree verdreckt und verkeimt. Ingenieur Ralf Steeg findet sich damit nicht ab. Mit seinem Projekt "Spree 2011" will er den Fluss wieder sauberer machen. Mehr noch: An vielen Stellen zwischen dem Müggelsee und der innerstädtischen Oberbaumbrücke sollen die Berliner wieder baden dürfen. "Nach der Arbeit einfach mal kurz in den Fluss hüpfen" - das ist sein Traum.

Das Problem der Spree ist laut Steeg vor allem die Mischwasserkanalisation. Nach starken Regenfällen läuft sie über und ein Mix aus Regenwasser und fäkalienhaltigen Haushaltsabwässern muss in den Fluss geleitet werden. Dadurch sei die Spree in einem "dauerhaften Stresszustand", erläutert Steeg. Seine einfache Idee: An den Einlaufstellen will er das schmutzige Wasser in großen Behältern auffangen. Darin soll es so lange bleiben, bis die Kanalisation wieder frei ist. Dann kann das Schmutzwasser wieder zurückgepumpt werden und schließlich zum Klärwerk gelangen.

Ende September sollen die Bauarbeiten für Steegs Pilotprojekt im Berliner Osthafen beginnen. Drei riesige schwimmende Tanks sollen hier zu Wasser gelassen werden. Die Oberflächen bilden eine Plattform, auf die Kundschaft gelockt werden soll. Es stehe bereits fest, dass dort ein Café, ein Solarbootverleih sowie schwimmende Gärten entstehen, freut sich Steeg. Die ganze Anlage wird im Mai kommenden Jahres eröffnet. Nach einem Probebetrieb geht sie an die Stadt Berlin über. Dies sei eine Bedingung des Bundesforschungsministeriums für die rund zwei Millionen Euro Fördergeld gewesen.

Saubere Idee als Exportschlager

Steegs Idee soll zum Exportschlager werden. Konkretes Interesse anderer Städte gebe es bereits, berichtet der 48-Jährige. Seine schwimmenden Glasfaser-Behälter seien schließlich etwa 30 bis 40 Prozent billiger als konventionelle, unterirdische Rückhaltespeicher aus Beton. Zudem kann ein Teil der Betriebskosten über die Vermietung der Oberflächen wieder reingeholt werden. Deshalb unterstützen auch die Berliner Wasserbetriebe (BWB) das Projekt. "Steegs Idee ist sexy", lobt BWB-Sprecher Stephan Natz. Bedarf an weiteren Plattformen sieht er in Berlin aber nicht. An den Ufern gebe es schließlich schon viel ungenutztes Brachland.

Auch die Berliner Wasserbetriebe werben zurzeit damit, die Spree wieder badetauglich zu machen. Dazu soll etwa im nächsten Jahr im Klärwerk Münchehofe eine zusätzliche Reinigungsstufe eingebaut werden. Für Steeg ist diese Maßnahme unerlässlich fürs Badenvergnügen im Jahr 2011. Natz hält den Termin für verfrüht: In 15 Jahren könne es vielleicht soweit sein. Eine "gute" Wasserqualität werde aber kaum jemals erreicht. Die Überlaufmengen könnten allenfalls halbiert, aber niemals eliminiert werden. Außerdem werde das Wasser kaum durchmischt, weil es an Zuflüssen mangele. An manchen Tagen fließe die Spree sogar rückwärts.

Dass sich künftig massenhaft Bürger in der Stadt ausziehen, um sich ins Wasser zu stürzen, kann sich Natz nicht vorstellen. Steeg indes glaubt fest daran, "die Berliner wollen nicht stundenlang mit der S-Bahn zu den Seen rausfahren". Außerdem habe Berlin eine lange Flussbäder-Tradition: Einst gab es 25 von ihnen in der Spree. Eine der ersten Badeanstalten errichtete der General Ernst von Pfuel 1817 an der Oberbaumbrücke, um Berliner Jungen das Brustschwimmen zu lehren. Und ein paar Kilometer weiter entstand das erste Wellenbad: Damals sorgte ein Dampfschiff für die Bewegung des Wassers.

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