Schauspieler : Der Verwandler: Matthias Schweighöfer

Ob Roter Baron oder Seeräuber, ob Produzent oder Modemacher: Matthias Schweighöfer kann alles. Am Montagabend stand die Premiere seiner neuen Roadmovie-Komödie „Friendship“ an.

Franziska Klün
317956_0_e1d7a250.jpg
Grüß dich, Nachbar. Schweighöfer wohnt am Deutschen Theater. Die dortige Büste, die er auf dem Foto küsst, erinnert an Otto Brahm,...Foto: Thilo Rückeis

Die Dinge laufen gut für den Herrn: Matthias Schweighöfer ist 28 Jahre alt und gilt bereits als einer der wichtigsten deutschen Schauspieler. In seinem Wohnzimmerschrank dürften neben einer Trophäe des Bayerischen Filmpreises sowie eines Bambis noch einige andere Siegespreise stehen. Vor ein paar Jahren feierte ihn die Kinofachpresse als „Gesicht einer Generation“. Mittlerweile ist der Schauspieler auch Inhaber einer Produktionsfirma, mit Freunden betreibt er ein Modelabel, seit fast neun Monaten ist er Vater. Am gestrigen Montagabend stand nun die Premiere zu seiner neuen Roadmovie-Komödie „Friendship“ im Sony-Center an. Erwartet wurden am Potsdamer Platz neben Freunden und Familie des Schauspielers auch Star-DJ Paul van Dyk, die ehemalige Eiskunstläuferin Katharina Witt, Hollywood-Regisseur Roland Emmerich und Schauspieler Til Schweiger.

In dem Film spielen Matthias Schweighöfer und Leinwandfrischling Friedrich Mücke zwei ostdeutsche Jungs, die sich kurz nach dem Mauerfall in Richtung Westen aufmachen. Mit 50 US-Dollar in der Tasche und ohne Englischkenntnisse reisen die beiden Freunde von New York nach San Francisco, der eine sucht die Golden Gate Bridge, der andere seinen Vater – was sie vor allem finden, ist das große kapitalistische Abenteuer. „Natürlich ist der Druck insbesondere an Tagen wie diesen enorm, da ich permanent funktionieren und gute Arbeit leisten muss“, sagt Schweighöfer. Vor Premieren mit großen Kulissen, wie sie an diesem Abend im Sony Center stattfinden sollte, ließe sich ein nervöses Grummeln in der Magengegend eben nicht verhindern.

„Friendship“ ist nach Til Schweigers „Zweiohrküken“ und Sven Taddickens „12 Meter ohne Kopf“ für Schweighöfer die dritte Rolle in einer Kinokomödie innerhalb der vergangenen zwei Monate. Dass er nicht nur lustig kann, muss er schließlich nicht mehr beweisen. Er spielte bereits Manfred von Richthofen in „Der Rote Baron“ sowie die Hauptrolle in der Autobiografieverfilmung „Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki“.

In mehreren Interviews erzählte Schweighöfer von seiner Vorliebe für Rollen, die seinem Charakter möglichst fremd sind, da er so „Urlaub von sich selbst nehmen könne“. Die Rolle des Tom in „Friendship“ dürfte dem in Anklam in Vorpommern geborenen Schweighöfer relativ fremd gewesen sein. Tom ist volljährig, als die Mauer fällt, sein ganzes Leben schon steht er mit der DDR auf Kriegsfuß. Schweighöfer hingegen war 1989 gerade mal acht Jahre alt. Gerne beschreibt er sich als „überzeugten Ossi“.

Vor allem in Sachen Erziehung sei in der DDR viel richtig gemacht worden. Für Schweighöfer und Freundin gelte beim Großziehen ihrer acht Monate alten Tochter Greta deswegen folgender Leitsatz: Lehre die Bodenständigkeit. Die junge Familie lebt im Kiez des Deutschen Theaters in Mitte. Dort hat Schweighöfer bereits als Kind viel Zeit verbracht. Sein Vater, der seit 27 Jahren an dem Schauspielhaus arbeitet, wohnt auch schon lange hier. Die Theaterbar des Hauses habe ihn bereits als kleiner Junge fasziniert, denn während die Menschen auf der Bühne Schauspieler seien, seien sie dort sie selbst.

Die wichtigste Berliner Bühne ist für Matthias allerdings die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Seine großen Helden hat er hier entdeckt: Milan Peschel, Henry Hübchen und Matthias Matschke. Als er 2007 in der Produktion „Nord“ von Frank Castorf spielen durfte, wurde für ihn ein Traum war: „Castorf ist für mich der allergrößte Theaterregisseur überhaupt“, sagt Schweighöfer. Es sei das Experimentelle, das Improvisierte, das ihn so begeistere.

Castorf war es auch, der ihn dazu animierte, noch andere Dinge aufzubauen. Er sagte ihm: „Alter, wenn dir die Haare ausgehen und du fett wirst, dann musst du etwas haben, dass dich ausmacht!“ Er gründete die Produktionsfirma „Pantheon“, als nächstes möchte er einen Kinderfilm realisieren.

Außerdem macht Schweighöfer seit Sommer vergangenen Jahres in Mode. „German Garment“ nennt sich das Label, das seinen Sitz hat in der Boxhagener Straße in Friedrichshain hat. Zusammen mit dem befreundeten Modedesigner Kilian Kerner, dem MTV-Moderator Joachim „Joko“ Winterscheidt – er ist der Geschäftsführer der Modefirma – und Sebastian Radlmeier, Betreiber des Music-Labels Paso Music, kreiert er T-Shirts mit grafischen Drucken. Das Angebot soll auf Kindermode, Hosen und Jacken ausgeweitet werden. Mit dem Label wollen die Männer beweisen, dass man bezahlbare Mode nicht in Ländern produzieren lassen muss, wo unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen, sondern dies auch in Deutschland möglich ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar