Schiffsrestaurants : Koch, ahoi!

Ob am Ufer vertäut oder frei schwimmend - Schiffrestaurants locken mit Essen auf Planken. Doch was haben sie ihren Gästen genau zu bieten?

Eva Kalwa

Ein bisschen sieht Frank Cotte selbst aus wie ein Wikinger: Breitschultrig und muskulös, die blonden Haare bis tief in den Nacken, stößt der Skandinavien-Fan das stabile Floßboot vom Ufer ab und nimmt Kurs auf sein Blockhaus. Das steht nicht irgendwo am Rand eines Berliner Gewässers, sondern schwimmt mitten drauf: Die „Spreearche“, ein kleines Blockhausrestaurant auf der Müggelspree, nicht weit entfernt von der Badestelle „Teppich“, dem Spreetunnel und dem Großen Müggelsee.

Wer auf der Sonnenterrasse oder im Winter innen am Holzofen ein Stück Kuchen, ein Fischgericht oder einfach nur etwas zu trinken möchte, drückt einfach auf eine Klingel am Ufer: Der Fährmann mit dem motorbetriebenen Floß lässt nie lange auf sich warten. Wenn dann abends über den Bäumen am Ufer die Sonne untergeht, das Holz des Blockhauses rot-orangefarben schimmert und leichter Wind das Wasser kräuselt, kommt fast echtes Fjord-Feeling auf: „Ein richtiger Kurzurlaub in Schweden“, sagen Neuankömmlinge wie Stammgäste.

Seit gut zwei Jahren betreibt Cotte die Spreearche, nur mit der Unterstützung der Familie. Vier bis fünf Stunden für Einkäufe und Transport braucht er jeden Tag. Doch trotz der vielen Arbeit merkt man dem Berliner an, dass er sich auf der Müggelspree einen kleinen Lebenstraum erfüllt hat. Das gemütliche Blockhaus mit der fiktiven Hausnummer 34 hat der 48-Jährige gemeinsam mit einem Freund entworfen und gebaut. Noch immer wartet Cotte aber auf eine offizielle Liegegenehmigung durch das Bezirksamt Treptow-Köpenick. Und das nicht, weil das auf einem Schubleichter schwimmende Blockhaus nicht sicher wäre, dazu gibt es längst ein Gutachten. Es passe den Verantwortlichen wohl nicht ins Landschaftsbild, meint Cotte und ist erstmal froh über die derzeitige Duldung und einen befristeten Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt.

Das Haus auf der Müggelspree ist nur eine von vielen Möglichkeiten, in Berlin auf Planken zu speisen. Ob frei schwimmend oder fest vertaut, alles ist möglich. Ein Klassiker ist die „Alte Liebe“ an der Havelchaussee in Grunewald. Ebenfalls hochromantisch ist etwa eine dreistündige Abend-Brückenfahrt auf der Spree mit der Barkasse „Josephine“. Vor seinem Einsatz im Restaurantbetrieb hatte das preisgekrönte Schiff die Werftarbeiter im Hamburger Hafen zu ihren Docks gebracht. 1994 hat Karsten Sahner die Barkasse nach Berlin überführt und zum Gastronomieschiff umgebaut. Daneben gehören Sahner auch das seit 20 Jahren fest im Kreuzberger Urbanhafen liegende Restaurantschiff „van Loon“, ehemals ein niederländischer Frachtsegler von 1914, und die an die Boote der Zwanziger Jahre erinnernde „Philippa“. Das Schiff bietet auf Rundfahrten Platz für 85 Gäste und wird seit längerem für die Tagesspiegel-Veranstaltungsreihe „Zeitung auf dem Schiff“ genutzt wird. Im Winter kann der urige Schiffsneubau mit amerikanischem Steuerhaus sogar das Eis brechen.

Bis zu 44 Gäste können auf der „Josephine“ bei der Brückenfahrt durch den Landwehrkanal und über die Spree, vorbei an Hansaviertel, Siegessäule, Museumsinsel, durch den Osthafen und unter etlichen Brücken hindurch ebenso ein leckeres, frisch zubereitetes Buffet genießen. Auf Sonderwünsche wie vegetarische Speisen geht Hauptkoch Karsten Cristiani, der seit 19 Jahren für Sahner arbeitet, gern ein. Nach dem Essen heißt es: Fischreiher zählen, Schwäne am Schlafplatz beobachten, den hellen Abendstern über dem Tiergarten entdecken oder die Mondsichel über der Neugotik der Oberbaumbrücke aufgehen sehen: Ein wunderschöner Anblick, für den sich auch die Alt-Berliner an Bord begeistern. Wer auf dem Wasser nicht zu Hause ist, für den sind vor allem die Augenblicke in den drei Schleusen interessant. Routiniert parkt Kapitän Jan Krzyzanowski das Boot im Schleusenbecken, wartet geduldig auf die Veränderung des Wasserpegels.

Im dritten Sommer ist der gelernte Berliner Binnenschiffer Kapitän der Barkasse, und wie jedem echten Seemann ist dem 27-Jährigen sein Schiff ans Herz gewachsen. Man spürt es, wenn er mit Stolz sagt: „Die ‚Josephine’ kennt ihren Weg auf der Spree, die weiß genau, wo sie lang muss.“ Und so findet die zuverlässige Hafenbarkasse nach gut drei Stunden auch sicher zurück in den nächtlichen Urbanhafen mit seinen vielen glitzernden Lichtern.

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