Stadtleben : Schlager der Woche

Wenn die Kusinen singen, tanzt der SO 36-Club

Matthias Oloew

Bei keinem Auftritt sind sie so nervös wie vor ihren Fans im Café Fatal. Aber keinem Auftritt fiebern sie mehr entgegen. Denn die Frauen-Schlager-Band „Die Kusinen“ und der sonntägliche Tanztee-Schlager-Partyabend im SO36 sind miteinander verbandelt wie Cindy und Bert. „Wir fragen uns jedes Mal, ob die Leute den Schlager noch mögen“, sagt Tina, Gründungsfrau der Combo und Ober-Kusine. Die Zweifel sind allerdings völlig unbegründet. Spätestens bei ihrer Cover-Version des Udo-Jürgens-Klassikers „Griechischer Wein“ tanzt der Saal.

Heute sind die Kusinen wieder dort zu Gast, wo sie das erste Mal groß herauskamen. Und nicht nur der Schlager verbindet die Band mit dem Kult-Partyabend, sondern auch das Alter. Beide erblickten vor ziemlich genau 13 Jahren das Licht der Schlagerwelt. Grund genug, um das kleine Jubiläum heute zu feiern. Die fünf Kusinen – allesamt seit Jahren Anfang 20 – danken ihren Fans mit einem dreifachen „Hossa“.

Schlager, da sind sich die Kusinen sicher, bleibt aktuell. Eine Änderung im Repertoire ist nicht drin. Anfragen, ob die Damen nicht vielleicht auch mal englisch singen könnten, lehnen sie rundheraus ab. „Wir bleiben die Kusinen, und die Kusinen singen deutschen Schlager“, sagt Frontfrau Uschi. So haben sie sich schließlich auch bei den Veranstalterinnen einer Mittelmeerkreuzfahrt für lesbische Frauen durchgesetzt, die sie im kommenden Sommer aller Voraussicht nach mit drei Auftritten begleiten.

Während sie da so herumschippern, nähern sie sich auch dem Ort, der sie noch mehr als das Café Fatal mit der Gründung der Band verbindet: ein Hotelpool auf Malta. Dort saßen einige der Frauen nach einem enttäuschenden Versuch, eine Hard-Rock-Band zu gründen, dachten über Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn nach, die damals mit Schlager Erfolg hatten, und dachten sich: Das können wir auch. Zunächst eher als Ulk angegangen, käme den Damen heute nie mehr in den Sinn „Wunder gibt es immer wieder“ zu veralbern. „Das sind Songs für die Ewigkeit“, sagt Uschi.“

Diese Prinzipientreue kommt an: Wenn die Kusinen singen, wippt der geföhnte Schlagerfan im Takt und reiht sich in die Polonaise ein, die der Punk neben ihm anführt. In solchen Momenten sind die Frauen mit sich zufrieden. Und die Nervosität vor dem Auftritt war wieder völlig unbegründet. Matthias Oloew

Die Kusinen, heute im Café Fatal (SO 36), Oranienstraße 190, Kreuzberg, gegen 21 Uhr. Wir verlosen zehn mal zwei Freikarten: E-Mail an verlosung@tagesspiegel.de bis 15 Uhr – die Gewinner werden per Mail bis 19 Uhr benachrichtigt.

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