Schloss Britz : Das Marilyn-Leuchten

Erstmals in Berlin: 50 Bilder vom letzten Fotoshooting der Schauspielerin Marilyn Monroe. Die Ausstellung im Schloss Britz zeigt außerdem zahlreiche Zeitdokumente.

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Der amerikanische Starfotograf Bert Stern hat 1962 drei Tage lang die Gelegenheit, Marilyn Monroe für das Vogue-Magazin zu fotografieren. Die Bilder werden zu einer Legende.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
09.10.2010 00:04Der amerikanische Starfotograf Bert Stern hat 1962 drei Tage lang die Gelegenheit, Marilyn Monroe für das Vogue-Magazin zu...

Wie gut man doch glaubt, sie zu kennen: Die roten, leicht geöffneten Lippen, die halb geschlossenen Lider, das verführerische Lächeln. Doch wer war Marilyn Monroe wirklich? Auch die Fotos, die Bert Stern bei einem „The Last Sitting” genannten Shooting im Juni 1962 sechs Wochen vor dem Tod der Schauspielerin für die Vogue gemacht hat, haben darauf keine eindeutige Antwort. Aber sie geben eine Ahnung davon, wer die 1926 als Norma Jeane Mortenson geborene Frau jenseits des schillernden Mythos gewesen sein könnte. Die Kulturstiftung Schloss Britz zeigt jetzt erstmals in Berlin rund 50 Fotos und mehrere Siebdrucke aus der dreitägigen Session. Ergänzt wird die Ausstellung durch Exponate aus der Sammlung Peter Schnug und die Installation „Marilyn‘s Interiors“ der in Kreuzberg lebenden Künstlerin Nicole Cohen.

Zeitzeugen und Bewunderer sprechen oft von dem inneren Licht, das Monroe ausstrahlt, und auch Sterns Bilder spiegeln es wider. Da sind Fotos, auf denen Monroe mit durchsichtigen Tüchern halbnackt posiert, ihre Präsenz ist so groß, als stünde sie mitten im Raum. Bei aller Lust an der Pose und ihrem Talent zur Selbstinszenierung wirkt sie dabei stets nahbar. Von einer lebendigen, bodenständigen Natürlichkeit, die berührt, aber den Betrachter auch zur Vereinnahmung und Identifikation verführt. „Unser vergrößertes Ebenbild” nannte Biograf Norman Mailer die Schauspielerin einmal. Sie flirtet mit Sterns Kamera, mal wie mit einem Liebhaber, bewusst provokativ als die ewige Versuchung. Mal entwaffnend ungezwungen wie eine junge Frau, die die eigene Schönheit entdeckt. Auf den Modefotos imitiert Monroe Stilikonen wie Grace Kelly und strahlt auf ihnen wiederum Würde und Wissen einer reifen Frau aus.

Ganz jung ist Monroe bei diesen Shootings im Bel-Air-Hotel in Los Angeles tatsächlich nicht mehr. Ihre 36 Jahre, aber auch die Spuren ihres langjährigen Alkohol- und Tablettenmissbrauchs sind auf den unretuschierten Bildern nicht zu übersehen. Genauso wie die Narbe der Gallenblasen-Operation, deren Folgen aus der kurvigen Sexbombe in ihrem letzten Lebensjahr eine schlanke und zerbrechlich wirkende Frau gemacht haben. Manche Fotos hat die unter ständigen Selbstzweifeln leidende Monroe mit orangefarbenem Nagellack zensiert oder mit einer Haarnadel zerkratzt. Unendlich müde wirken ihre Augen auf manchen Bildern, als erzählten sie von drei gescheiterten Ehen und vielen Affären, von Geldstreitigkeiten mit Regisseur Billy Wilder und zahllosen selbstquälerischen Stunden auf der Psychoanalysecouch. Mit dem naiven Blondchen aus Filmen wie Wilders’ „Some like it hot” haben diese traurig-klugen Augen nicht viel gemein.

Dass die eifrige Leserin klassischer Literatur weder naiv noch dumm war, weiß man heute längst. Das beweisen auch die vielen persönlichen Aufzeichnungen und Gedichte in dem neuen Buch „Marilyn Monroe – Tapfer lieben“. „Das meiste daraus ist lange bekannt und wurde schon an anderen Stellen veröffentlicht“, relativiert Peter Schnug jedoch den aktuellen Hype um das Buch. Der 47-Jährige ist einer der größten deutschen Kenner der „MM“ und sammelt seit 35 Jahren überwiegend Zeitdokumente und Fotos. Für die Ausstellung stellt er unter anderem ein Arbeitsdrehbuch von Monroes selbst produziertem Film „Der Prinz und die Tänzerin“ mit vielen handschriftlichen Notizen zur Verfügung.

Den Abschluss der chronologisch geordneten Ausstellung bildet Cohens Installation. Die 40-Jährige hat Monroes letzte Wohnstätten in New York und im kalifornischen Brentwood gefilmt, wo sich Monroe nach über 60 Umzügen erstmals ein eigenes Heim einrichten wollte. Und auch wenn der kurze, schwebend leichte Film die Räume ohne die ehemalige Bewohnerin zeigt: Ihre Anwesenheit dort scheint immer noch spürbar. Wie ein Leuchten im Raum.

Bis 30. Januar, Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr. Schloss Britz, Alt-Britz 73. Führungen Sa und So um 16 Uhr, Sonderführungen nach Anmeldung unter Tel. 60979230. Eintritt 7 Euro, erm. 5 Euro. Informationen auch auf www.schlossbritz.de. Infos über die Sammlung Peter Schnug auf www.marilynmonroe.de.

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