Schloss Charlottenburg : Zeltbau erregt Ärger

Das Café im Zeltbau soll den Besuchern ein "minimales gastronomisches Angebot" bieten. Der Baustadtrat hält die Gaststätte für illegal.

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Im Zeltcafé gibt es Brotteller und Königin-Pastete zu essen. -Foto: Uwe Steinert

Luise lockt. Mehr als 10 000 Besucher haben sich die Ausstellung „Leben und Mythos der Königin“ im Neuen Flügel des Schlosses Charlottenburg seit März bereits angesehen. Und hinterher vielleicht Wiener Würstchen, einen Brotteller „Luise“ oder eine Königin-Pastete im Café verspeist. „Die Leute wollen ein minimales gastronomisches Angebot“, sagt Ulrich Henze, Pressesprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Das bekommen sie derzeit in einem länglichen weißen Zeltbau, der an der Schlossfassade förmlich zu kleben scheint. Spaziergängern, die beim Neuen Palais um die Ecke des Schlossflügels biegen, versperrt die Leichtkonstruktion mit Café und Shop erstmal die Sichtachse.

„Von außen ist es nicht schön“, gibt Svenja Kluckow, Leiterin der Projektgruppe zur Ausstellung, zu und fügt an: „Wenn ich drin sitze, kann ich’s verschmerzen.“ Man habe zunächst überlegt, das Zelt mit einer Folie im Ton der Schlossfassade zu bekleben, aber das sei „zu teuer“ gewesen. Ursprünglich gab es auch die Idee, das Café vor dem Haupteingang zu platzieren, davon aber habe man dann „aus ästhetischen Gründen abgesehen“.

Zum Park hin, der jahrelang mit Akribie nach barocken Musterbüchern wiederhergestellt wurde, kommt es offenbar nicht so sehr darauf an. Für Ausstellungsbesucher ist der Anbau überaus praktisch. Sie können den Neuen Flügel nun zur Gartenseite hin verlassen und müssen nicht wie sonst um das Schloss herumgehen, wenn sie noch zur Luiseninsel oder zum Mausoleum spazieren wollen. „Das Café ist ein Spagat“, sagt Heinz Buri, Marketingchef der Schlösserstiftung, aber man habe damit „einen Puffer schaffen und die Aufenthaltsqualität der Besucher verbessern“ wollen. „Von der Kosten-Nutzen-Rechnung her“ sei das Zelt die realistischste Lösung gewesen, sagt Svenja Kluckow. Es werde mit Ende der Ausstellung am 30. Mai wieder abgeräumt, betont Buri. Die Projektleiterin kann sich indes vorstellen, das Café „weiter am Ort zu belassen“. Das Luisenjahr ende schließlich nicht mit der Ausstellung, und die Luisenwohnung im ersten Stock des Neuen Flügels beispielsweise könne weiterhin besichtigt werden.

Klaus-Dieter Gröhler, Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, zeigte sich auf Nachfrage des Tagesspiegels überrascht von der Existenz des Cafés. „Ich kannte den Vorgang nicht“, sagt er. Vor Kurzem hatte er die weißen Planen zufällig von der Schlossbrücke aus entdeckt und für eine kurzfristige Baumaßnahme gehalten. „Ich dachte, die renovieren da was an der Fassade“, sagt er und stellt fest: „Für das Café gab es keinen Antrag und keine Genehmigung nach dem Grünanlagengesetz.“ Das Ganze sei „illegal“. Unterlagen sollen nun von der Schlösserstiftung beigebracht werden, und Gröhler will genau nachmessen lassen. Denn sollte der „Schwarzbau“ größer als 75 Quadratmeter sein, müsse auch der TÜV eingeschaltet werden.

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