Schlossparktheater : In Steglitz leuchtet’s wieder

Dieter Hallervorden feierte die Eröffnung seines Schlossparktheaters. Die Premiere am Mittwoch will sich auch der Bundespräsident ansehen.

Udo Badelt
Schlossparktheater
Wieder da. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf und aufwendigen Umbauarbeiten erstrahlt das Schlosspark-Theater im gutbürgerlichen,...Foto: ddp

Bei der spätsommerlichen Hitze, die am Dienstagabend selbst um 20 Uhr noch über Steglitz liegt, kann man es sich kaum vorstellen. Aber als Boleslaw Barlog das Schlossparktheater im November 1945 eröffnete, war es richtig kalt. Mancher Besucher brachte statt Eintrittskarten ein Stück Presskohle mit – und die wurde gerne genommen. Wenn Dieter Hallervorden jetzt zur Wiedereröffnung vor vollem Haus auf der Bühne steht und diese alten Geschichten erzählt, dann ist das auch ein Stück Rückversicherung: Wir wissen um die großartige Vergangenheit dieses Theaters, in dem Hildegard Knef, Martin Held, Klaus Kinski oder Samuel Beckett gearbeitet haben, und wir werden uns bemühen, diese Tradition fortzuschreiben. Das Publikum ist enthusiastisch, die Freude und Erleichterung, dass das Schlossparktheater nach mehreren gescheiterten Wiederbelebungsversuchen und Jahren des Leerstands wiederaufersteht, liegt in der Luft, ist mit jedem Atemzug zu spüren. René Kollo ist gekommen, Michael Degen – der demnächst selbst hier auf der Bühne stehen wird – oder Paul von Schell, der Ehemann Hildegard Knefs. Auch das wirkt wie eine Stabübergabe. Draußen instrumentalisiert die Steglitzer CDU die Wiedereröffnung für ihren Wahlkampf und reklamiert ein Stück des Ruhmes für sich, doch ihr Schulterklopfen ist vergiftet, nennt sie Dieter Hallervorden doch „Didi“ – der Name genau jener Figur, deren Schatten er seit Jahren versucht loszuwerden.

Ein großes Stück West-Berliner Trotz ist bei all dem Rummel wahrscheinlich auch dabei. Nach Jahren des gefühlten Bedeutungsverlustes hat man wieder ein Theater bekommen. Denn auch wenn Alfred Biolek, Moderator der Gala, beteuert, dass er in Prenzlauer Berg wohne, so ist es doch vor allem der alte Berliner Südwesten, der sich hier versammelt hat und in Hallervorden seinen Helden sieht. Klaus Wowereit als Ko-Moderator macht übrigens an diesem Abend eine bessere Figur als der manchmal abwesend wirkende Biolek. Trotzdem hat die etwas gönnerhafte Art, mit der Wowereit der Wiedereröffnung des Theaters durch seine Anwesenheit staatstragende Weihen verleihen will, einen Beigeschmack. Immerhin hat mit Ulrich Roloff-Momin einer seiner Vorgänger als Kultursenator die Schließung von Schiller- und Schlossparktheater 1993 durchgesetzt.

An diesen schrecklichen Moment zu erinnern vergisst keiner der geladenen Gäste, die von Biolek und Wowereit interviewt werden. Er sei damals der letzte gewesen, der das Licht ausgemacht habe, erzählt Schauspieler Jürgen Thormann. „Und heute bin ich unendlich glücklich, dass das Licht hier wieder angeht.“ Dieses Haus habe etwas in sich, was nur Glück bringen kann, sagt Gudrun Genest, die hier vor mehr als einem halben Jahrhundert erstmals gespielt hat.

Ob das stimmt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Premiere von „Die Socken Opus 124“ am Mittwochabend hielt jedenfalls selbst Bundespräsident Horst Köhler für bedeutend genug, um persönlich zu erscheinen. Empfangen und eskortiert wurde er von Klaus Wowereit, jetzt wieder in der Rolle des Regierenden Bürgermeisters. Auch Regisseur Dieter Wedel, Kabarettist Frank Lüdecke oder Schauspielerin Judy Winter waren gekommen. Winter kennt zwar das alte Schlossparktheater nicht mehr aus eigenem Erleben, aber hat „nichts als Bewunderung für den Mut und die Verve übrig“, mit denen Hallervorden dass Haus wiedereröffnet hat. Sie ist nicht die einzige.

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