Schlossplatz : Buddeln für die Zukunft

Noch eine Baustelle in Mitte! Gestern begannen gegenüber dem zum Skelett abgemagerten Palast der Republik die Arbeiten zur Umgestaltung des Schlossplatzes. Der Durchgangsverkehr zwischen Karl-Liebknecht- und Werderstraße ist nur noch für Fahrradfahrer und Fußgänger möglich.

Lothar Heinke
Schlossplatz Foto: Wolff
Der Bagger kommt. Zuerst soll es archäoligische Grabungen geben. -Foto: Wolff

Das bisher als Parkplatz genutzte Areal zwischen Lustgarten, Staatsratsgebäude und Spreekanal wurde ebenso eingezäunt wie der Sockel des einstigen Nationaldenkmals.

Nach dem Fahrplan für die Arbeiten auf dem früheren Marx-Engels-Platz rücken als Erste die Archäologen an. Sie erforschen die vor dem Staatsratsgebäude in der Erde verborgenen Reste eines Dominikanerklosters mit der Klosterkirche und zahlreichen Gräbern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. „Diese Untersuchungen werden neben den bereits laufenden Grabungen an der Petrikirche ein paar Ecken weiter unsere Kenntnisse der Stadtgeschichte von Cölln wesentlich bereichern“, heißt es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die archäologischen Grabungen sollen bis Dezember 2008 dauern, dann wird in bisher unzugänglichen Schlosskellern gebuddelt.

Gleichzeitig, ab Mai, soll das ganze Areal ansehnlicher werden, trotz Abriss-Staub, der bei jedem Windstoß heftig über den Platz weht. Denn die Reste des Palastes der Republik werden nach aktueller Planung erst in einem Jahr verschwunden sein. Dann hat der Abriss länger gedauert als Aufbau – nach 32 Monaten Bauzeit war der Palast im April 1976 eröffnet worden. Bis August 2008 soll die Fläche westlich der Baustelle ansehnlich gemacht und bis zur Neubebauung mit dem Humboldt-Forum „aufgehübscht“ werden.

Das Freiflächenkonzept des Berliner Büros „Relais“-Landschaftsarchitekten sieht begehbare hölzerne Stege und verschiedenartige Rasenflächen vor. Dafür soll Schotter-, Spiel- und Sportrasen verwendet werden. Die jetzige Asphaltdecke wird entfernt.Die Holzkonstruktionen bestehen aus 2,50 Meter breiten Stegen mit unbehandeltem Nadelholz, genauer: europäischer Lärche. Die begehbaren Holzwege führen auch an den Grabungen im Untergrund vom früheren Hohenzollernschloss vorbei, man kann also den Archäologen bei der Arbeit zusehen. Der Sockel des einstigen (und an dieser Stelle neu geplanten) Nationaldenkmals wird als Terrasse für kulturelle Veranstaltungen genutzt, neben der mit Holz als riesige Sitzbank verkleideten Treppenanlage, zur Liebknechtstraße hin, entsteht bis September 2008 die temporäre Kunsthalle „White Cube“. Die komplette Fläche für die Übergangsnutzung soll zwischen Mai und August hergerichtet werden – die Sommertouristen sehen also, dass sich auf dem Berliner Schlossplatz etwas tut. Der zweite Bauabschnitt, direkt am Ufer der Spree, beginnt allerdings erst, wenn das Palastgelände quasi besenrein an die Gestalter der grünen Übergangslösung übergeben wird. Ob es sich dann noch lohnt? Lothar Heinke

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