Schloßplatz : Wolkenwerk an der Kunsthalle

Die Temporäre Kunsthalle ist im Rohbau fast fertig, das Kunst-Experiment am Rand des Spreekanals kann bald beginnen. Auch die Neugestaltung des Schloßplatzes beginnt bald.

Lothar Heinke
Kunsthalle
Blauer Quader. Am 29. Oktober soll die Kunsthalle am Schloßplatz öffnen. -Foto: Thilo Rückeis

Offiziell nennt sich der viereckige Kasten an der Schloßbrücke gegenüber dem Lustgarten „Temporäre Kunsthalle Berlin“. In dem 55 Meter langen, 20 Meter breiten und zehn Meter hohen Gebäude wird gerade Beton als Bodenplatte vergossen, bis zum Eröffnungstermin am 29. Oktober gehen noch viele Handwerker ein und aus. Dann kann das Kunstexperiment auf dem Schloßplatz am Ufer des Spreekanals beginnen. „An dieser historischen Stelle mitten in Berlin wenden wir uns an ein großes internationales kulturinteressiertes Publikum“, sagt Bärbel Hartje, die Sprecherin der Kunsthalle, „wir zeigen Kunst, die in Berlin entstanden ist“. Außerdem soll es einen Buchladen geben und ein Café. Und gegenüber, im Alten Museum, wartet das Kontrastprogramm mit der Kunst der Antike.

Den Anfang in der neuen Halle macht (bis 28. Dezember) eine Videoinstallation mit Filmen von Candice Breitz, einer südafrikanischen Künstlerin, die seit acht Jahren in Berlin lebt. Ursprünglich war bei dem neuen Kunst-Haus direkt neben dem Sockel des einstigen Kaiserdenkmals vom „White Cube“ die Rede, jenem weißen, gänzlich neutralen Würfel, den zwei engagierte Künstlerinnen als letzte kulturelle Handlung in den dem Untergang geweihten Palast der Republik gestellt hatten. Die beiden haben mit ihrer Hartnäckigkeit und einem Dutzend für dieses Projekt geworbener Sponsoren nun auch die neue Kunsthalle auf Zeit in die umschwärmte Mitte gebracht, aber ein Kubus ist dieser überdimensionale Schuhkarton mit 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche ebensowenig wie er sich in Weiß zeigt.

Schon das Äußere ist nämlich, werden wir belehrt, ein eigenständiges Werk. Der seit 1999 in Berlin lebende Künstler Gerwald Rockenschaub erdachte sich Wolken (weiß) mit zackigen Formen am Himmel (blau). Aber die Wolken sind gepixelt – wie mit einer Digitalkamera aufgenommen und so stark vergrößert, dass die einzelnen quadratischen Bildpunkte (Pixel) sichtbar werden. In diesen Tagen also wird die Halle stellenweise blau gestrichen, am 6. September soll die Außenhaut mit der gepixelten Wolke fertig sein. Innen soll die Halle tatsächlich neutral weiße Wände haben, die die ausgestellten Werke für sich selbst wirken lassen.

Bis Ende 2010 werde das Haus stehen, heißt es, bis nämlich der Wiederaufbau des Schlosses beginnt, aber in Berlin dauert ja alles immer ein bisschen länger. Und vielleicht findet der freche Volksmund bald einen weniger sperrigen Begriff als „Temporäre Kunsthalle“.

Und die Umgebung? Auch hier beginnen die Bauarbeiten. Hoch gestapelt liegen auf dem einstigen Parkplatz die künftig begehbaren Stege aus unbehandeltem Lärchenholz. Dazu wird es zwischen der Kunsthalle und dem Gelände des einstigen Palasts der Republik eine dünne Lage Rasen geben, die nur ein Minimum an Pflege benötigt und nicht betreten werden soll. Später soll die mit Sand aufgefüllte Betonwanne, auf der das Gewicht des Palastes ruhte, mit strapazierfähigem Spiel- und Sportrasen begrünt werden. Dort werden sich die hölzernen Stege zu großzügigen Sonnendecks verflechten. Aber dies erst im Sommer 2009 – und wenn nichts dazwischenkommt.

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