Schöneberg : Nachbarn wollen kein Großbordell

Anwohner fürchten eine Zunahme der Prostitution und wehren sich gegen ein entsprechendes Vorhaben an der Kurfürstenstraße. Der Betreiber weist alle Vorwürfe von sich. Jetzt soll eine Bürgerversammlung Klarheit verschaffen.

Rainer W. During

BerlinEin Bordell im ehemaligen Wegert-Haus an der Potsdamer, Ecke Kurfürstenstraße treibt die Erregung im Kiez schon in der Planungsphase in die Höhe. Anwohner und Quartiersmanagement fürchten einen Anstieg von Prostitution und Drogenkriminalität. Mit einer Postkartenaktion fordert eine Bürgerinitiative die Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg und Mitte auf, das Vorhaben zu verhindern.

Nachdem es in den letzten Jahren rund um die lange Zeit als Drogenstrich verrufene Kurfürstenstraße eher ruhig war, wird in den letzten Monaten eine Änderung des Prostituiertengewerbes beobachtet. Vermehrt sind Frauen aus Osteuropa tätig, die potenzielle Freier wesentlich offensiver ansprechen als bisher gewohnt. Die Polizei unternimmt regelmäßig Kontrollen, hat strafrechtlich relevante Dinge aber dem Vernehmen nach bei keinem Einsatz feststellen können. Seit einem halben Jahr aber drohe die Situation zu eskalieren, heißt es beim Quartiersmanagement Magdeburger Platz. "Offensichtlich findet in und um das Erotikkaufhaus LSD ein reger Prostitutionsvollzug statt, den die Anwohner in dieser aggressiven Form so noch nicht kannten“, heißt es auf der Webseite der Kiezorganisation.

Antrag auf "gewerbliche Zimmervermietung" im Bezirksamt gestellt

Frank Keller, Geschäftsführer der Vize GmbH, die unter anderem die LSD-Kette – die Buchstaben stehen für "Love, Sex & Dreams“ – betreibt, weist die Vorwürfe zurück. LSD sei ein Einzelhändler und habe auch Filialen in Bahnhöfen und im Flughafen Tegel. Die Kunden der angeschlossenen Videothek würden es überhaupt nicht mögen, von Prostituierten angesprochen zu werden. Ein Türsteher achte darauf, dass diese die Geschäftsräume nicht betreten. Im Wegert-Haus sei die Kette nur Mieter, von einem geplanten Bordell wisse man nichts.

Beim Bezirksamt Schöneberg jedenfalls ist ein Antrag auf Genehmigung einer „gewerblichen Zimmervermietung“, so die behördliche Formulierung, eingegangen. "Wir sind besorgt, weil das die Situation an der Ecke zuspitzen würde“, sagt die für das Quartiersmanagement zuständige Stadträtin Angelika Schöttler (SPD). Ihr Kollege im Bauressort, Bernd Krömer (CDU) verweist auf die langen Bemühungen, die Potsdamer Straße zu stabilisieren. Dennoch sei die Situation rechtlich „relativ kompliziert“. Da sich das Gebäude in einem sogenannten Kerngebiet befindet, ist die entsprechende Nutzung grundsätzlich zulässig. Es wird aber geprüft, ob der Antrag wegen „sozialer Unverträglichkeit“ abgelehnt werden kann.

Bürgerversammlung am 11. Oktober

Am 11. Oktober gibt es um 19 Uhr eine öffentliche Bürgerversammlung zur Problematik im Treffpunkt „Palast“ des Quartiersmanagements Schöneberger Norden in der Pallasstraße 35. Fast das gesamte Bezirksamt hat die Teilnahme zugesagt.

Doch die öffentliche Diskussion ist zweischneidig, wie Jörg Krohmer vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz festgestellt hat. Seit eine Boulevardzeitung vor kurzem über einen angeblichen „Dirnenkrieg“ im Kiez berichtet hat, habe die Zahl der Prostituierten und Freier wieder zugenommen, so seine Beobachtung.

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