Schokolade : Ende eines süßen Traums

Der „Schokoladen“ in Prenzlauer Berg musste Insolvenz anmelden. Eine Neugründung bleibt aber möglich.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich

Gerade hat Holger int’Veld ein Buch über seine Leidenschaft veröffentlicht: „Schokoladen Rebellen – der Sound der neuen Kakao-Kultur“ heißt das rund 190-seitige Werk des langjährigen Musikjournalisten, der in Berlin seit 2002 als Gründer des „Schokoladens“ am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg bekannt ist. Doch über sein Buch kann sich der 42-Jährige nicht richtig freuen. Denn sein Betrieb ist insolvent, Ende März muss er die Manufaktur mit angeschlossenem Geschäft in der Raumerstraße wohl schließen – es sei denn, es findet sich bis dahin noch ein Geldgeber.

Im Rückblick bedauert int’Veld, er habe mit der Eröffnung eines Cafés in der Nachbarschaft und einer Filiale in Mitte auf zu vielen „verschiedenen Hochzeiten getanzt“. Speziell das Café habe ihn „viel Geld und Zeit“ gekostet. Einem „int’Veld“-Geschäft in Schöneberg, das ein Bekannter betrieb, hatte er dagegen nur den Namen geliehen: „Das war nie mein Laden.“ Jetzt gibt es nur noch den Standort Raumerstraße.

Das spreche aber nicht gegen den anhaltenden Trend zur „Schokoladen-Avantgarde“, betont int’Veld, der dazu maßgeblich beigetragen hat. Heute gebe es feine belgische Schokolade auch in Coffeeshops und Bioläden. Doch genau dies sei ein Teil seiner Probleme: „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal verloren.“

int’Veld stammt von niederländischen Seeleuten ab, ein alter Ozeandampfer dient ihm als Firmenlogo. Das Schiff soll auch die „Langsamkeit“ der Schokoladenherstellung symbolisieren. Zwei Jahre nach der Ladeneröffnung kam der Chocolatier Christoph Wohlfahrt mit ins Boot, und beide gründeten die Schokoladenmanufaktur. Neben Tafeln gibt es Kakaokugeln, Bruchschokoladen, Aromablätter, Trüffel, Pralinen oder die „Schokosingle“ in Schallplattenform, die sich angeblich sogar abspielen lässt – und ausgerechnet Trude Herrs Lied „Ich will keine Schokolade“ enthält. Außerdem wuchs das Sortiment hochwertiger ausländischer Schokoladen, zeitweilig standen bis zu 600 Produkte in den Regalen, darunter rund 150 Tafelschokoladen. Mittlerweile verkauft der Laden nur noch bis zu 80 Produkte, darunter vor allem die nach int’Velt benannte Hausmarke. Den Anspruch, das Spektrum des „europäischen Schokoladenadels“ abzubilden, musste er wegen der wirtschaftlichen Probleme aufgeben.

Falls Laden und Manufaktur schließen müssen, wäre das laut int’Veld noch nicht das Aus. Seine eingetragene Marke sei „nicht Bestandteil des Insolvenzverfahrens“, betont er. „Der Chocolatier würde zu mir halten.“ Selbst nach einer Zwangspause bliebe eine Neugründung möglich. Um die Firma in der jetzigen Form zu retten, wäre ein Geschäftspartner nötig, der einen sechsstelligen Betrag investiert – und auch int’Velds Begeisterung für Kakao und Schokolade teilen sollte. „Reines Geldverdienen“ könne nicht das Ziel sein, sagt der Schoko-Pionier. Cay Dobberke

Die Schokoladenmanufaktur online:

www.intveld.de

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