Stadtleben : Schritte nach oben

Erst Kandidat bei „Popstars“, jetzt Tanzlehrer: Wie ein 20-Jähriger mit Hip-Hop Karriere macht

Liva Haensel

Draußen donnert die U8 vorbei Richtung Ostbahnhof. Drinnen regiert der Hip- Hop. „Show me what you got, little Ma-ma“, tönt es aus hängenden Boxen. Ein kleines Mädchen, nicht älter als acht, mit Schlapphut und Buggyhose, wippt lässig mit den Füßen. Ihre Arme bewegt sie schlangenförmig über ihrem Kopf, dabei schaut sie in den großen Spiegel an der Wand. Und dann ihren Lehrer an. Der ist nicht begeistert. „Was ist los mit euch? Ihr schlaft irgendwie“, sagt der Mann vorne mit der dunkel umrandeten Brille. Also noch mal von vorne.

Der Tanzlehrer heißt Shorty. Eigentlich Armin Nezirevic. Und für seine Schüler – Jungen und Mädchen zwischen sieben und 14 Jahren – ist Shorty ein Star. Er hat bei der Fernsehsendung „Popstars“ mitgemacht, der Castingshow, der die No Angels ihre Karriere verdanken. Shorty ist einer der Sieger der jüngsten Staffel. Seitdem tanzt er in der Gewinnerband Room Twenty Twelve. Die ist zwar nicht so erfolgreich wie einst die No Angels, aber immerhin war sie schon in den Top Ten. „Wir werden es schaffen“, sagt der 20-Jährige. Shorty ist Sohn bosnischer Einwanderer und in Moers in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. In einem Stadtteil, den er selbst „Ghetto“ nennt. Das Leben dort habe auch seinen Tanzstil geprägt: „In meinem Blut fließt Hip-Hop – das ist pure Leidenschaft.“ Zum ersten Vortanzen bei „Popstars“ musste er in Mannheim antreten. Zu dem Zeitpunkt jobbte er noch im Friseursalon eines Bekannten. „Ich war super in Musterschneiden und Augenbrauenzupfen.“ Wäre Popstars nicht gewesen, wäre er heute Friseur, sagt Shorty. In der Jury, die ihn bewerten musste, saß nicht nur Nina Hagen, sondern auch Detlef Soost. Der Tanzlehrer aus Pankow, der sich selbst „D!“ nennt und ein Studio an der Jannowitzbrücke in Mitte unterhält. Weil der von Shorty angetan war, darf der 20-Jährige jetzt dort unterrichten. Jedenfalls immer dann, wenn er nicht mit Room Twenty Twelve unterwegs ist.

Schon zwei Tage nach Ende der Fernsehshow zog er nach Berlin – mit zwei Koffern. An seinen neuen Wohnort Friedrichshain hat er sich schnell gewöhnt. „Und überhaupt an das laute Berliner Leben.“ Mit den anderen Tänzern seiner Band ist er befreundet. „Die vier Monate bei Popstars waren eine harte Zeit. Das verbindet“, sagt Shorty. „Ich bin dadurch erwachsen geworden und kein Mama- Kind mehr“.

„Und sechs - und sieben - und acht“, zählt Shorty und sein T-Shirt bewegt sich leicht hin und her. Zwei blonde Mädchen kreisen ihre Oberkörper in einer Acht-Form über dem Laminat-Boden und grinsen sich danach stolz an. 350 Leute kommen jede Woche in das Studio. Vorne im Eingangsbereich hängt ein Bild von Shorty an der Wand neben allen anderen 14 Tanzlehrern, die ihre Ausbildung in Los Angeles oder New York gemacht haben. Auf dem Foto guckt er ernst. „Irgendwann mal möchte ich eine eigene Tanzschule“, sagt er selbstbewusst. Im Hintergrund rattern die U-Bahn-Züge. Und Shorty ist schon wieder beim nächsten Schritt.Liva Haensel

Infos über die Schule im Internet:

www.deesworld.de

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