Schwarzlicht-Minigolf : Abschlag im Kreuzberger Keller

In Berlin hat eine Schwarzlicht-Minigolfanlage eröffnet. Wer hier spielen will, muss erst einmal staunen. Die Gäste sind baff, aber der Betreiber hat auch ein ernstes Anliegen.

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Alles so schön bunt hier: die Schwarzlicht-Minigolfanlage in Kreuzberg.
Alles so schön bunt hier: die Schwarzlicht-Minigolfanlage in Kreuzberg.Foto: AFP

Es ist gar nicht so leicht, das Loch aus einem Meter Entfernung zu treffen. Wenn alles um einen herum leuchtet, die Wandbilder ablenken, oben an der Decke knallig bunte Bindfädengebilde rotieren.

Wer hier spielen will, muss erst einmal staunen. Und dann seinen Mund zubekommen angesichts dieser spektakulären Kulisse. Die Anlage hat erst vor ein paar Wochen geöffnet, noch wissen nicht viele, welcher besondere Ort sich hier unten verbirgt, in den Kellerräumen des Cafés „Isa Mitz“ im Görlitzer Park. Aber das wird sich bald rumsprechen.

21 Treppenstufen sind es vom Thekenraum abwärts, vorher wird man gebeten, seine Schuhsohlen abzuklopfen und alle Kaugummis zu entsorgen. Nicht, dass man sie unten aus Versehen irgendwo hinklebt. Und dann: neongrüne Wände, grelle Miniaturplaneten, Plastikhügel in Regenbogenfarben. So stellt man sich den Anblick einer ganz normalen Minigolfanlage vor. Nach der Einnahme von LSD.

Inhaber ist Andreas Schmitz, 40, eigentlich Sozialarbeiter. Mit einem Freund betreibt er bereits zwei Freiluftplätze in Neukölln und Schöneberg. Nun war es Zeit für Berlins erste Schwarzlichtanlage, sagte er sich. Also fuhr Schmitz nach Hamburg, wo schon eine stand. Ganz toll hier, dachte er sich, aber meine soll bitte ohne Dinosaurier auskommen. Und ein bisschen alternativer wirken, das Café liegt doch in Kreuzberg. Er recherchierte und stieß auf die Berliner Gruppe „Sinneswandeln“, die sich auf Schwarzlicht-Installationen spezialisiert hat. Die Künstler waren begeistert und malten ihm funkelnde Wälder, Weltraumlandschaften und pinke Unterwasserwelten mit lächelnden Delfinen.

Dass die Farben so intensiv leuchten, liegt an den unscheinbaren Röhren an der Decke. Die strahlen Licht mit einer Wellenlänge aus, die Menschen nicht wahrnehmen können. Treffen die Strahlen aber auf fluoreszierende Stoffe, bringen sie diese zum Leuchten. Hier im Keller fluoresziert praktisch alles – außer dem Fußboden und dem Filzbelag der Anlagen. Aus den Boxen klingt eine indische Sitar.

Einen Raum haben die Künstler mit Berlinmotiven bemalt. Man sieht den Tiergarten, ein Stück Mauer, auch die Goldelse, allerdings knallgrün. Die Gruppe Sinneswandeln hatte schon mehrere Ausstellungen in der Stadt, war auch im Rahmenprogramm der letzten Documenta in Kassel vertreten. Trotzdem könnte man mit dieser Kunstform noch sehr viel mehr anstellen, sagt Mitglied Ellen Harting. Weil die Arbeiten für jeden unmittelbar erfahrbar und begreifbar seien, auch ohne Vorwissen. Deshalb baut die 32-Jährige nun eine Agentur für Schwarzlichtkünstler auf. An die können sich Clubs, Bars, Partymacher und Messeveranstalter wenden, wenn sie eine eigene Installation in Auftrag geben wollen.

Café-Betreiber Schmitz hat ihnen bei der Gestaltung keine Vorgaben gemacht. Auch bei den Bahnen selbst sollte vor allem die Fantasie im Vordergrund stehen. Echte Minigolf-Dogmatiker würden sich hier kaum wohlfühlen, die Bahnen entsprechen nicht internationalen Richtlinien: Eine standardisierte misst genau 6,25 Meter. Die im Keller sind exakt so lang, wie es gerade irgendwie passte.

Trotz der knalligen Effekte ist dieses Café weit mehr als bloß ein Spaßprojekt, sagt Andreas Schmitz. Es ist ihm ein richtiges Anliegen. Er selbst wohnt ganz in der Nähe, jenseits der Grenze zu Treptow, und es stört ihn gewaltig, in welchem Zustand sich der Görlitzer Park seit Jahren befindet. Dass hier überall Müll rumliegt. Dass man es kaum hundert Meter in den Park reinschafft, ohne von Drogendealern angesprochen zu werden. Dass sich manche Eltern nicht mehr mit ihren Kindern hertrauen. Andreas Schmitz hofft, dass seine Anlage zur Belebung des Parks beiträgt. Auch Erwachsene werden sich hier unten wohlfühlen, weil es einiges zu entdecken gibt, was man erst gar nicht begreift. Zum Beispiel das Geheimnis von Raum vier: Einfach mittig reinstellen und eine Weile nach oben auf den großen Stern gucken, der sich dreht. Und abwarten. Es ist atemberaubend.

Die Anlage ist täglich von 12-22 Uhr geöffnet, am Wochenende 10-22 Uhr. In der Görlitzer Straße 1, gegenüber vom Pamukkale-Brunnen. Eintritt 4,50 Euro, ermäßigt 3,50, Infos unter Telefon 61 62 19 60 oder www.indoorminigolf-berlin.de.

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