Science Fiction : Die Außerirdischen von nebenan

Science-Fiction-Fans haben ihren eigenen Film gedreht – und das durchaus professionell. Am Sonnabend ist Premiere.

Andreas Conrad
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Grüne Männer. Mit aufwendigen Masken und Kostümen haben Mitglieder eines eigens gegründeten Vereins den Streifen „Cool Age...

Immer diese außerirdischen Hinterhalte! Da fliegt so ein wackerer Sternenkrieger seine letzte Raumpatrouille, freut sich wohl, den Heimatplaneten vor Augen, aufs verdiente Feierabendbier – und sieht sich plötzlich von feindlichen Raumgleitern umwimmelt, von Laserblitzen umzuckt, verglüht womöglich im Feuerball.

Nein, kein neuer „Krieg der Sterne“, keine „Odyssee im Weltall“, auch Raumschiff Enterprise bleibt diesmal in der Garage. Das Raumschiff der Zukunft heißt „UFS Survival“, und Ted Erikson ist sein Captain. Mit seinem Machogehabe eher der Steinzeit verbunden, nun aber im Jahr 2327 gelandet, der Handlungszeit des neuen Science-fiction-Spektakels „Cool Age Revelations“.

In Hollywood sind solche Projekte nur für unzählige Millionen zu haben, und in Indien schieben dann Pixelknechte die Gigabyts monatelang hin und her, bis alle Effekte stimmen. Doch es geht auch anders, am Samstag im Kino Babylon kann man sich davon überzeugen: Erstmals – und bis auf weiteres auch letztmals in Berlin – läuft „Cool Age Revelations“, der erste Spielfilm des eigens dafür gegründeten Vereins Double R. Productions.

Ein Mammutprojekt, jedenfalls für einen Verein mit 25 Mitgliedern – auch wenn Freunde und Verwandte mitwirkten, schließlich rund 80 Personen, darunter die Mutter des Vereinsvorsitzenden Dennis Rada, die die Kostüme nähte, oder seine Frau, die einem sprechenden Raumschiff ihre Stimme lieh. Amateure sind sie aber alle, arbeiten beispielsweise als Wertpapierhändler wie der 32-jährige Rada oder als Grundschullehrer wie der gleichaltrige Rainer Grüning.

Die Keimzelle entstand um 1996 am Hermann-Ehlers-Gymnasium in Steglitz. Rada, Grüning und zwei weitere Schüler, heute ebenfalls bei „Cool Age“ dabei und im Gegensatz zu der Vorsitzenden noch immer Berliner, begannen zum Vergnügen kleine Science-Fiction-Episoden zu drehen, aus Leidenschaft fürs Genre, aber auch aus Begeisterung am Filmemachen selbst. Die Spielerei gewann an Kontinuität, weitere Mitstreiter stießen dazu, und so entstand die Idee, sich doch mal an einem Spielfilm zu versuchen.

Das war vor fünf Jahren, ein neues Universum entwirft man als Laie nicht hopplahopp. Als Fingerübung wurden bereits früher zwei Hörspiel-CDs und eine DVD mit drei Episoden veröffentlicht, auch den neuen Film wird man als DVD kaufen können, irgendwie muss ein Teil der rund 30 000 Euro Produktionskosten ja wieder reinkommen. Die gab es nicht als vorher festgelegten Etat, sondern erst nachträglich hat der Verein ausgerechnet, was die Herstellung des Films wohl gekostet hat, inklusive der Dinge, die die begeisterten Mitwirkenden aus eigener Tasche bezahlt haben. Rund 10 000 Stunden Arbeit an „Cool Age“ kamen zusammen. Mal drehte man am Wochenende an der Spree, mal an der Isar – und ein Drittel der Zeit im verschneiten Bayerischen Wald, billiger ist der Drehort „Eisplanet“ nicht zu bekommen.

Die Greenscreen-Aufnahmen – die Schauspieler agieren vor grünem Hintergrund, in den später etwa die Szenerie einer Raumschiff-Kommandobrücke einkopiert wird – entstanden in Kreuzberg. Ein Mitglied hat dort eine Softwarefirma mit ortsüblich hohen Räumen. Intergalaktische Schlachten entwarf Olaf Buntemeyer, der sonst als Sozialpädagoge Wohnungslose berät, am Laptop in seiner Dachgeschosswohnung.

„Jeder hatte seinen eigenen Bereich, auf den er sich konzentrierte, konnte aber auch sonst jederzeit Ideen einbringen“, erzählt Dennis Rada, der, wie auch Rainer Grüning, Regisseur, Drehbuchautor und einer der Hauptdarsteller war. Bei den Dreharbeiten müssen wohl alle viel Spaß gehabt haben, in den „Making of“-Extras der DVD wird ausgiebig gelacht und gealbert. Und auch den Film selbst, der unlängst bei den Münchner Medientagen den Amateurfilm-Preis „Camgaroo Award“ erhielt, wird man ohne erhebliches Amüsement nicht ansehen können, schon wegen des offenkundigen Laienspielcharakters – und vor allem wegen der ironiegetränkten Tendenz der Geschichte um Captain Ted Erikson, sein Raumschiff „UFS Survival“ und all die neuen und doch vertrauten Kämpfe mit Aliens, außerirdischen Söldnern und anderem Gelichter. „Am Ende“, bilanziert Rada, „ist es Satire und Comedy.“ Andreas Conrad

„Cool Age Revelations“, Sonnabend, 14.30 Uhr, Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Platz., www.cool-age-revelations.de

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