Sefo : Mit deutschen Songs und Band nach Anatolien

Kiezstar Sefo gibt Schülerworkshops in der Türkei. Im Auftrag des Goethe-Instituts studiert er dort mit den Schülern deutsche Songtexte ein und wirbt so musikalisch für Berlin.

Ferda Ataman
273612_0_ed3acf76.jpg

„Sex, Drugs & R’nBesk“ steht auf dem lilafarbenen T-Shirt von Sefer Tatlicioglu alias „Sefo“. „Hab ich selbst entworfen“, sagt er etwas schüchtern. Der Neuköllner Jugendliche wirbt damit für seine Musik, eine Mischung aus schnulzig-orientalischen Arabeskliedern und souligem „Rythm and Blues“, abgekürzt: R’n’B. Es klingt wie phrasierte türkische Soulmusik, gepaart mit deutschen Texten. Doch bevor der Deutschtürke seine Karriere als Musiker beim Berliner Label Plak Music durchstartet, reist der 18-Jährige an diesem Sonntag erst mal als Berliner Botschafter in die Türkei.

Über eine Woche soll er dort mit einer Band auf Einladung des Goethe-Instituts türkische Schulen in Izmir, Gölcük, Adana und sonstwo besuchen, um in Workshops mit türkischen Schülern deutsche Songtexte einzustudieren. Für das Projekt „Deutsch lernen mit R’nBesk“ reist der sympathische Junge aus dem Kiez mit der Ernst-Reuter-Initiative im Auftrag des deutschen Außenministeriums bis ins anatolische Hinterland. Anders als bei bisherigen Besuchen deutscher Musiker, wie etwa von Silbermond, wird es diesmal einen beidseitigen Kulturaustausch geben: Türkische Deutschschüler, die kaum etwas über „Almanya“ wissen, treffen auf Deutschtürken, die eigentlich nur Istanbul kennen. Sefer will bei den Jugendlichen in der Türkei Interesse an der „schönen deutschen Sprache“ wecken. „Ich freu mich schon drauf“, sagt Sefo und gibt auf der Sanderstraße in Neukölln gleich eine Kostprobe seiner beeindruckenden Stimme.

Sefos Lieder sind auf den Videoplattformen im Internet bislang nicht zu finden. Nur einmal taucht er im Netz auf, an der Seite von „Muhabbet“, dem einstigen Shootingstar des R’n’Besk. Der verdankte seinen Ruhm überwiegend dem Internet und hat daher kaum CDs verkauft. „Seine Fans waren es gewohnt, alles umsonst zu bekommen“, sagt Jochen Kühling von der Musikfirma Plak Music. Das werde diesmal anders. Sefos eigene Songs werden zum ersten Mal am 12. Juli präsentiert, beim Türkiyeah-Festival am Görlitzer Ufer.

Angefangen hatte alles damit, dass er als 16-jähriger Schulabbrecher bei Jochen Kühling und seinem Kollegen in der Musikfirma anheuerte, als Bürokaufmann. „Eigentlich wollte ich mich als Toningenieur bewerben“, sagt Sefer, „aber das ging nicht ohne Studium.“ Dann habe er so lange vor sich hin gesungen, bis die Produzenten sein Talent entdecken mussten und ihn im Jahr 2008 unter Vertrag nahmen. Auf Tour mit Muhabbet verließ Sefo dann zum ersten Mal Neukölln. „Ich kannte vorher nichts anderes“, sagt Sefer. Ihm gefällt gut, was er außerhalb des Berliner Südens kennengelernt hat. Wohnen will er allerdings trotzdem nur hier. Ferda Ataman

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben