Seifenkistenrennen : Sie kommen!

Alt-Berliner Tradition: Das 50. Seifenkistenrennen am Kreuzberger Mehringdamm. Erstmals sausten auch Skateboarder den Berg hinab.

Seifenkisten
Summmm. Ohne Motor, aber mit viel Speed ging es den Mehringdamm hinunter. -Foto: ddp

Joel, gerade mal sieben, ist ein cooler Hund. Eben noch raste er geduckt in der Seifenkiste den Berg hinunter, und jetzt läuft er, den Helm unterm Arm, am Zieleinlauf herum wie ein alter Hase. Und, wie lange hat er für das Rennen geübt? Immerhin steht er ja im Finale. „Gar nicht.“ Gar nicht? „Nö. Einmal den Teufelsberg runter, das war’s.“ Runtergerauscht und angekommen, beim 50. Seifenkistenrennen auf dem Kreuzberger Mehringdamm, eine Alt-Berliner Tradition, der offenbar selbst Wii-Computersportspiele nicht den Garaus machen können.

Damit die Seifenkistenpiloten nicht „mit Tunnelblick“ in die Endzone rasen, geben Serviceleute wie Fred, der selber Kisten baut, Handzeichen und rufen: „Bremsen!“ Einst waren es schwere Holzbomber, die in Kreuzberg „Bahn frei“ bekamen. Doch längst schnurren Leichtbaukisten mit Plastikkarosse den Berg hinunter. Juniorkisten heißen die, in die sich der Nachwuchs duckt, in Seniorenkisten legen sich die Größeren aerodynamisch auf den Rücken. 20 000 Zuschauer filmten, klatschen und jubelten am Rande, 50 Kistenpiloten zwischen acht und 18 Jahren rollten nach Angaben des ADAC von der Startrampe – und in diesem Jahr auch erstmals 20 Slalom-Skateboarder.

„Irre, die sehen voll krass aus“, erzählt einer der Zuschauer begeistert ins Handy. Die langen Skateboards sind vorne nach oben gebogen – und die Fahrer vierfach so alt wie die Kollegen in den Seifenkisten. „Starsky“ ist 46, und sein Konkurrent „Prikelpit“ auch nicht viel jünger, sie schnaufen noch unter ihren Helmen und Schonern, mit den eigenen Kindern sind sie jetzt wieder aufs Skateboard gestiegen. „Die Strecke ist superlang, sehr anspruchsvoll“, meint Chris „Roca“ Schütz, 27, aus Lichtenberg, der Berliner Meister wurde, indem er schnell und elegant schlangenartig um die 85 orangefarbenen Hütchen zirkelte – und dann im Ziel auch noch für den Sprung in die Strohballen von den THW-Helfern beklatscht wurde.

Auch die Anfänge des Seifenkistenderbys sind gewürdigt worden. Der ADAC hatte vorab die Sieger der Rennen von 1949 bis 2000 gesucht, acht Veteranen hatten sich gemeldet und kamen noch mal nicht minder stolz auf die Bühne.

Gerina Neuland aus Friedersdorf, elf Jahre alt, war immerhin schon zum fünften Mal mit dabei. Was ihr am meisten Spaß macht? „Alles. Runterrasen und auch wieder hochgeschleppt werden“, sagt die Fünftklässlerin und strahlt. kög

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