Serie, Teil 6 : Der Spielverderber: Fußball ist Erziehungssache

Wir erklären, warum Fußball Wahnsinn ist. Und geben Tipps, was Sie heute tun können, während die anderen ihm verfallen. Dieses Mal: Fußball mögen lässt sich nicht lernen.

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Foto: Mike Wolff

Jetzt ist es fast vorbei. Und ich gebe zu, jetzt, wo es bald Zeit ist, Abschied zu nehmen, ist die Erleichterung nicht so groß, wie ich dachte.

Dafür, dass ich Fußball nicht mag, kann ich ja auch nichts. Fußball lässt sich nicht erlernen, wie eine Fremdsprache oder ein Instrument oder das Rezept für Spaghetti Bolognese. In den Fußball wird man hineingeboren – oder eben nicht.

In meinem Freundeskreis gibt es ein gutes Beispiel. Die Eltern des Jungen, nennen wir ihn Max, sind sehr liebevoll und nehmen keine Entscheidung über sein Leben auf die leichte Schulter. So debattierten die beiden etwa lange darüber, ob Max getauft werden und ihm damit die Möglichkeit genommen werden sollte, sich selbst für oder gegen eine Kirche zu entscheiden. Was Max Zugehörigkeit zu einem Verein angeht, stellten sie sich diese Frage nicht eine Sekunde. Die Tinte auf der Geburtsurkunde war kaum trocken, da war Max schon Mitglied von Werder Bremen. Bereits im Alter von wenigen Monaten trug Max bei Spielen einen grün und weiß gestreiften Strampelanzug. Im Alter von zweieinhalb habe ich ihn zum ersten Mal auf der Couch hüpfen und „Tor“ rufen sehen. Mit drei sagte Max morgens beim Frühstück zu seinem Vater: „Papa, wenn du tot bist, krieg ich deine Werder-Trikots?“ Was den Vater übrigens keineswegs schlecht schlafen oder an der Liebe seines Sohnes zweifeln ließ. Vielmehr war das wohl einer der stolzesten Momente in seinem Leben überhaupt.

In meiner Familie ist die Fußballtradition mit meinem Vater abgerissen. Mein kleiner und schneller Opa hat noch mit Helmut Rahn gebolzt und es in Essen als Rechtsaußen zu lokaler Bekanntheit gebracht. Doch als mein Vater jung war, war sein Vater viel beruflich unterwegs und hat es so irgendwie verpasst, die Fußballbegeisterung an seinen Sohn weiterzugeben. Der ging lieber rudern. Das hatte viele Vorteile, es gab keine Tabu-Zeiten, zu denen mein Vater mit erstarrter Mine vor dem Fernseher saß und nicht gestört werden durfte. Dafür habe ich mich jetzt vier Wochen lang gelangweilt, während alles um mich herum durchgedreht ist.

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