SERIE WENDEKalender : 5. Mai 1989

Vier Kreuzberger ziehen in einen Bauwagen und besetzen ein Stück DDR

JAHRE

MAUERFALL

Vier Kreuzberger Wohnungslose haben die DDR besetzt, zumindest ein Stück weit. Zwischen Mauer und Thomaskirche, am Ende der Mariannenstraße, haben sie sich in einem Bauwagen eingerichtet. „Hier kann uns keiner so schnell vertreiben“, erklärt Rainer der Tageszeitung „taz“. „Wir besetzen so lange, bis wir endlich vernünftige Wohnungen und Mietverträge bekommen.“ Um einen Telefonanschluss haben sie sich schon bemüht, aber weil sie zur DDR gehören, werde die West-Berliner Post wohl ablehnen, vermutet Rainer. „Danach schreiben wir dann an Honecker, dass er uns mal ’ne Strippe über die Mauer schmeißen soll.“ Aus den Bauwagen-Besetzern entwickelt sich eine der berühmten Kreuzberger Wagenburgen.

Die West-Berliner Geschichtswerkstatt zeigt in der Ost-Berliner Husemannstraße (benannt nach dem Widerstandskämpfer Walter Husemann, der 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde) ihre Ausstellung „Rote Insel – zur Geschichte des Schöneberger Arbeiterviertels“. In der Husemannstraße in Prenzlauer Berg wurde die Parterrewohnung eines Mietshauses im Stil der Jahrhundertwende rekonstruiert und so in das Museum „Arbeiterleben um 1900“ verwandelt, als Unterabteilung des Märkischen Museums. Der Standort wird 1995 abgewickelt, die Ausstellungsstücke kommen ins Depot der Stiftung Stadtmuseum. loy

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