Sex-Charity in Berlin-Friedrichshain : Pornos für den Regenwald

Sie wollen Gutes tun – und Spaß haben. Umweltaktivisten sammelten durch Filme und Fotos schon 500 000 Euro. Einige Linke und Ökos sind entsetzt.

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Wirklich wahr: Die Mitglieder der NGO "Fuck for Forest" drehen Pornos und machen erotische Fotos, das Material wird auf die Homepage geladen. Wer pro Monat zwölf Euro für den guten Zweck zahlt, bekommt freien Zugang. So hat die NGO schon mehr als 500 000 Euro eingenommen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Neue Visionen Filmverleih
03.06.2013 21:07Wirklich wahr: Die Mitglieder der NGO "Fuck for Forest" drehen Pornos und machen erotische Fotos, das Material wird auf die...

Keiner kann ihnen vorwerfen, sie machten ein großes Geheimnis daraus, was genau sie da eigentlich tun. Auch der norwegische Beamte nicht, der ihnen damals eine finanzielle Starthilfe genehmigte, was dann dessen Vorgesetzte alarmierte und zum sofortigen Stopp jeglicher Unterstützung führte, als sich rumsprach, wie die Gruppe heißt: „Fuck for Forest“.

Die Menschen im Westen haben die Verbindung zur Natur verloren und auch zu ihrem eigenen Körper, sagt Tommy Hol Ellingsen, der Mitbegründer. Es sei Zeit, beides wiederherzustellen. Also drehen die Umweltaktivisten Pornos und laden sie im Internet hoch. Wer sie angucken will, muss sich registrieren und jeden Monat zwölf Euro spenden. Das Geld soll dann Hilfsprojekten zum Erhalt des Regenwalds zugute kommen. Echt wahr.

Es gibt nun einen Dokumentarfilm, gedreht von einem polnischen Regisseur, der über die Gruppe in der Zeitung las und sich dachte: Die müsste man mal begleiten. Beim Aufnehmen von neuem Material, beim Rekrutieren von Freiwilligen, beim Auskundschaften unterstützenswerter Regenwaldprojekte. Übernächste Woche startet der Film in den deutschen Kinos, er heißt wie die Gruppe.

Man könnte das alles für einen Bluff halten. Für einen Streich, um Medien und Zuschauer zu veräppeln, eine Mischung aus Borat und Banksy-Film. Aber wenn, dann ist es ein sehr, sehr langfristig geplanter Streich. Wer im Internet sucht, findet schon aus dem Jahr 2004 erste Hinweise auf die Existenz von „Fuck for Forest“.

Pornos für den Regenwald
Wirklich wahr: Die Mitglieder der NGO "Fuck for Forest" drehen Pornos und machen erotische Fotos, das Material wird auf die Homepage geladen. Wer pro Monat zwölf Euro für den guten Zweck zahlt, bekommt freien Zugang. So hat die NGO schon mehr als 500 000 Euro eingenommen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Neue Visionen Filmverleih
03.06.2013 21:07Wirklich wahr: Die Mitglieder der NGO "Fuck for Forest" drehen Pornos und machen erotische Fotos, das Material wird auf die...

Außerdem kann man sie besuchen. Sie haben ihr Hauptquartier in Berlin-Friedrichshain eingerichtet. In einer kleinen Wohnung im ersten Stock, Nähe Frankfurter Tor, über einem Fahrradladen. „Wir freuen uns über eine Spende“, stand in der Einladungsmail. Und bitte kein Geld, sondern Gemüse. Also Tomaten, Salat, Kartoffeln und Lauch gekauft, natürlich im Biomarkt. Diese Hippies würden sicher merken, wenn’s vom Discounter ist.

Die Haustür steht offen, ein Hund bellt. Eine Frauenstimme sagt: „Musst nicht anklopfen.“ Das ist keine Wohnung. Das ist eine Höhle. Drei Zimmer, vollgestellt mit Krams, Tücher hängen, Jim Morrison blickt von einem Banner herab. Sieht aus, als hätten die Mieter ein Faible für selbstgemalte oder gebastelte Geschlechtsteile. Sie hängen an der Wand, sie zieren Schalen und Plakate. „Danke für das Gemüse“, sagt ein kleiner, langhaariger Mann mit Hut.

Tommy Hol Ellingsen hat „Fuck for Forest“ mitgegründet. Eigentlich ist er gerade beschäftigt, er will im Nebenraum auf seinem Rechner neue Fotos für die Webseite bearbeiten. Sie zeigen ihn zwischen zwei Paar Brüsten. Der Tommy auf dem Foto grinst albern. Der echte Tommy schaut ernst und sagt, Spaßhaben gehöre zu ihrem Projekt dazu.

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