Silversterfeuerwerk : Gert Hof: Ein heller Kopf

Mit seiner Lichtshow zur Millenniumsfeier wurde er berühmt. Silvester zündet Gert Hof die nächste Idee – das zentrale Feuerwerk.

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Ruhe vor dem Krach. Lichtkünstler Gert Hof ist für den Höhepunkt der Silvesterparty zuständig – das Feuerwerk.
Ruhe vor dem Krach. Lichtkünstler Gert Hof ist für den Höhepunkt der Silvesterparty zuständig – das Feuerwerk.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ganz allein im Sessel, ein Glas Rotwein in der Hand, aus den Lautsprechern dringen Bachs Goldberg-Variationen in der Interpretation von Glenn Gould: So sieht für Gert Hof das Glück aus. Der Mann, der international für seine Orgien aus Licht und Feuer bekannt ist, der Regisseur der aberwitzigen Rammstein- Shows, bei denen Bandchef Till Lindemann als Fackel über die Bühne tanzt – er mag es nach eigenen Angaben privat ruhig und beschaulich. Voriges Jahr, erzählt Hof, habe er Silvester mit seiner Frau und seinem Sohn im Wald verbracht, abseits jeden Spektakels, im Rucksack nur eine Thermoskanne Tee, eine Flasche Sekt und ein paar Wunderkerzen.

Mit so viel Ruhe wird es in diesem Jahr nichts werden. Denn wenn in der Silvesternacht der Himmel über Berlin in Anwesenheit Hunderttausender zu einem „Gesamtkunstwerk“ (Zitat Hof) aus Licht und Feuer wird, wird der Künstler in der Nähe des Brandenburger Tors an einem überdimensionalen Mischpult stehen und dafür sorgen, dass jede Rakete im exakt festgelegten Moment in Richtung Himmel explodiert. Er wolle Berlin das Feuerwerk geben, „das dem Ort und den Berlinern gebührt“, sagt er.

Der 59-Jährige macht sich nicht erst die Mühe mit Bescheidenheit. „Mittelmaß, das Wort ist mein Feindbild“, sagt er. Hof ist einer der erfolgreichsten Lichtdesigner der Welt. Dicht an dicht hängen in seinem Büro in Mitte die Plakate seiner Shows: das Thronjubiläum in Oman, der chinesische Staatsakt zur Olympiabewerbung, die Feierlichkeiten zur EU-Erweiterung in Berlin und Malta – und immer wieder die Feiern zur Jahrtausendwende an der Siegessäule und auf der Akropolis in Athen. „Das Angebot, die Millenniumsfeiern zu machen, war für mich der größte Glücksfall“, sagt Hof. 21 Millionen Euro kostete damals allein das umstrittene Spektakel in Berlin. Hof wurde berühmt – trotz der Kritik, er imitiere die Ästhetik der Nationalsozialisten.

Seitdem hat der studierte Theaterregisseur offenbar ohne große Pause daran gearbeitet, seine Bühne, den Himmel, auf gebührliche Weise zu bespielen. Wer ihn wenige Tage vor Silvester in seinem Büro besucht, erlebt einen hyperaktiven Macher, der Kette raucht und so schnell spricht, dass selbst geübte Stenografen beide Hände bräuchten, um alle seine Worte zu erfassen. Der Besucher darf auf der Ledercouch vor dem riesigen Fernseher Platz nehmen und einen Zusammenschnitt seiner pompösesten Shows ansehen, Titel: „The Greatest Monuments of Light on Earth“. Man sieht zum Beispiel ein vermeintlich feuerspeiendes Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen – die teuerste Schiffstaufe aller Zeiten; ein flirrendes Lichtermeer mit 5000 Statisten – der erste chinesische Staatsakt, den ein Ausländer inszenierte. Eine schnell geschnittene Sammlung von Superlativen.

Es fällt schwer, Worte zu finden für das, was Hof dem Auge bietet. Er selbst sagt: „Ich hatte die Idee, den Himmel zu erobern.“ Architektur, Musik und Theater liefern ihm seine Inspirationen. Er wolle die Architektur am Himmel fortsetzen, sagt Hof, weil Bauwerke auf die Erde begrenzt seien. „Aber meine Scheinwerfer reichen bis zu 70 Kilometer weit in den Himmel.“

Eine Licht- und Feuerwerksshow ist aber nicht nur Kunst, sondern vor allem auch: bis ins Detail geplant. Erst im August habe er den Auftrag für die Silvestershow bekommen, sagt Hof, „eigentlich zu spät für solche Dimensionen“. Tage- und nächtelang saß der 59-Jährige am Laptop und schrieb die Partitur für das Feuerwerk der größten Silvesterparty des Landes. Jeder Schuss, jeder Knall, jeder Lichtkegel und jeder Laserstrahl ist programmiert. Das perfekte Feuerwerk ist eine Sache von Sekunden. Was genau in der Silvesternacht passiert, verrät Hof vorher nicht. Nur so viel: Es wird Feuerwerk, Licht und Laserstrahlen geben, aber kein offenes Feuer – das ist zu gefährlich. Null Uhr kann jeder sehen, wie sich Hof die Eroberung des Himmels vorstellt. Um 0 Uhr 14 ist dann alles wieder vorbei.

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