Silvio-Meier-Gedenkdemonstration : "Kein Vergeben, kein Vergessen"

Rund 1600 Demonstranten fanden sich zum Gedenken an den 1992 an der Berliner Samariterstraße ermordeten Silvio Meier ein. Die Kundgebung blieb zunächst friedlich, richtete sich dann aber gegen vermeintlich rechte Einrichtungen.

Torsten Hilscher
Silvio Meier
Gedenken. 1600 Menschen demonstrieren in Friedrichshain. -Foto: ddp

BerlinAn der diesjährigen Silvio-Meier-Gedenkdemonstration haben nach Polizeiangabenam in Berlin knapp 1600 Personen teilgenommen. Bei dem mehr als zweistündigen Marsch durch die Stadtteile Friedrichshain und Lichtenberg protestierten die vorwiegend aus dem linken Spektrum stammenden Teilnehmer mit Transparenten und Sprechchören weitgehend friedlich gegen Rechts. Im Anschluss an die Demonstration kam es am Abend zu vereinzelten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Mehrere Personen wurden nach Flaschen- und Steinewürfen festgenommen. Ein Medienvertreter wurde dabei verletzt.

Anlass des jährlich stattfindenden Aufzuges ist die Tötung des Hausbesetzers Silvio Meier 1992 durch Hooligans. Die Polizei war bei dieser und zwei kleineren Veranstaltungen mit 1000 Beamten im Einsatz. Am Nachmittag hatten 50 Rechtsgerichtete eine Gegendemonstration abgehalten, die Partei Die Linke protestierte gegen diese Kundgebung parallel mit 60 Personen.

Zerstörte Autos

Die abendliche Demonstration führte vom U-Bahnhof Samariterstraße durch die Straßen des Samariterviertels. Auf der anschließenden Route durch den angrenzenden Bezirk Lichtenberg informierten Sprecherinnen über in der Nachbarschaft gelegene beziehungsweise vermeintliche Einrichtungen rechter Gruppierungen. Das an der Lichtenberger Alfred-Jung-Straße gelegene "Berliner Fußball Café" war von Sicherheitskräften weiträumig abgesperrt worden. Zum Abschluss wurde laut Polizeisprecherin Kerstin Menzel ein Lokal der rechten Szene im Bereich Warschauer Straße mit Steinen beworfen.

Zudem wurden entlang der Wegstrecke mehrere Autos beschädigt. Es werde geprüft, ob diese Zwischenfälle in Zusammenhang mit dem Aufzug stünden, sagte die Sprecherin. Bereits vor der Demonstration wurde eine Person wegen des Mitführens verbotener Gegenstände festgenommen. Die Sicherheitskräfte hatten zuvor Leibesvisitationen vorgenommen.

Aufruf zur Solidarität mit Hausbesetzern

Gedenkdemo
Stilles Gedenken an einer Tafel im U-Bahnhof Samariterstaße. -Foto: ddp



Angemeldet worden war der Protestmarsch vom Lichtenberger Bezirksverordneten Kirill Jermak (Linke). Jermak bezeichnete den Aufzug als "kämpferisch, aber friedlich". Die von einer Abordnung des Schwarzen Blocks angeführte Veranstaltung war von "Nazis raus"-Rufen geprägt. Mehrfach wurde zu aktiver Solidarität mit Hausbesetzern aufgerufen. Neben Antifa-Bannern der autonomen Vertreter schwenkten die Teilnehmer Flaggen der kurdischen Nationalbewegung, eine israelische Flagge sowie die traditionelle Fahne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

Im U-Bahnhof Samariter-Straße wurde unterdessen eine in der Vergangenheit mehrfach beschädigte oder entwendete Gedenktafel erneuert. Zahlreiche Blumen und Kerzen erinnerten an den Tod Silvio Meiers am 21. November 1992. Der 27-Jährige war damals dort bei einer Auseinandersetzung mit rechtsorientierten Jugendlichen erstochen worden. Der Täter, ein 17-jähriger Hooligan, wurde im Oktober 1993 wegen Totschlags zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. (mit ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben