Stadtleben : Simon Rattle trommelt für Schulen

Prominente für Erhaltung musikbetonter Erziehung

Sabine Beikler

Tenorhorn, Euphonium, Mädchentrommelgruppe, Jazzcombo, Percussion-AG oder Orff-Gruppen: Solche Fächer sind in einem normalen Stundenplan nicht zu finden. Nur die 15 musikbetonten Grundschulen in Berlin bieten rund 7500 Schülern diese intensive Musikerziehung an – und das schon seit über 30 Jahren. Seit einigen Monaten aber ist die Harmonie zwischen Schülern, Eltern und der Bildungsverwaltung empfindlich gestört und Misstöne sind zu hören: Eine Elterninitiative befürchtet nach dem Ende des Schuljahres 2008/2009 das Aus der Schulen. Sie hat hochkarätige Unterstützer aus der Berliner Klassikszene gefunden, die sich an den Senat wandten und eine verbindliche Zusage fordern, dass die Schulen in der bisherigen Form auch weiter geführt werden. Unterzeichner des Briefes sind Sir Simon Rattle, Dirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters, Andreas Homoki, Intendant der Komischen Oper, Pamela Rosenberg, Intendantin des Berliner Philharmonischen Orchesters, Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste, Christian Höppner, Präsident des Landesmusikrates und Hans Günther Bastian, Professor für Musikpädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Bereits im Dezember haben Elternvertreter dem Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall eine Liste mit rund 20 000 Unterschriften übergeben, um gegen geplante Kürzungen zu protestieren. Der Landesschulrat sicherte den Schulen ihre weitere Existenz und Förderung zu. Doch bisher gibt es noch keine schriftlich vorliegende Zusage. Die Elterninitiative entstand, weil das neue Schulgesetz „abweichende Organisationsformen“ an Berliner Grundschulen nicht mehr vorsieht; davon betroffen sind auch die musikbetonten Grundschulen mit ihrem eigenständigen Profil. „Wir wollen keine musikalischen Profis heranziehen. Die Kinder aber sind durch das Musizieren im Ensemble konzentrierter und entwickeln so mehr Kreativität“, sagt Elternvertreter Frank Kiepert-Petersen. Die 15 musikbetonten Grundschulen würden außerdem in sozialen Brennpunktregionen wie Neukölln, Kreuzberg oder Marzahn einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten.

Entschieden ist in der Bildungsverwaltung bisher nur, dass die Schulen weitergeführt werden. Über das Wie werde dann „rechtzeitig entschieden“, sagte Sprecher Kenneth Frisse. Sabine Beikler

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