Sondervorführung : Beste Drehmomente

Quentin Tarantino stellte seinen neuen Film in Berlin vor. Viele seiner Kollegen arbeiten hier schon längst.

Sebastian Leber
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Quentin Tarantino und Hauptdarstellerin Zoe Bell vor einem Plakat ihres Films "Death Proof". -Foto: dpa

Quentin Tarantino mag seine Fans. Drinnen im Kulturbrauerei-Kino grummelten schon die geladenen Gäste, draußen auf dem roten Teppich widersetzte sich der Starregisseur hartnäckig allen Ordneranweisungen. Schließlich standen da Fans zum Händeschütteln, die wollte Tarantino nicht enttäuschen. Es ist sein erster Berlin-Besuch. „Noch habe ich nichts gesehen, den ganzen Tag musste ich Interviews geben.“ Deshalb flog der 44-Jährige nach der gestrigen Sondervorführung seines neuen Films „Death Proof“ nicht zurück nach Los Angeles, sondern bleibt bis Donnerstag an der Spree. Als Privatmann. Tarantinos wichtigster Programmpunkt: Er will sich einen Wagen mieten und Gas geben – wie die Darsteller in seinem Film. Schließlich könne man auf deutschen Autobahnen wild drauflos heizen, freut sich Tarantino. Hoffentlich sagt ihm jemand, dass dies nicht für die Berliner Stadtautobahn gilt.

Möglicherweise trifft der Regisseur in Berlin auch auf den einen oder anderen Hollywood-Kollegen. Derzeit wimmelt es in der Stadt vor Schauspielern und Regisseuren wie sonst nur zu Berlinale-Zeiten. Tom Cruise stolziert für seinen Stauffenberg-Film in Wehrmachtsuniform durchs Berliner Umland, Christina Ricci, John Goodman und Susan Sarandon drehen im Studio Babelsberg die Multi-Millionen-Produktion „Speed Racer“. Auch Matthew Fox, der Arzt aus der Inselserie „Lost“, macht dabei mit. Regisseur Tom Tykwer steckt gerade in den letzten Vorbereitungen für seinen Agententhriller „The International“, ab September stehen dafür Naomi Watts („King Kong“) und Clive Owen („Sin City“) vor der Kamera. Und Jared Leto, der Hauptdarsteller aus dem US-Hit „Requiem for a dream“, dreht hier demnächst den Thriller „Mr. Nobody“.

Auch die deutsche Schauspielelite versammelt sich diesen Sommer in und um Berlin. Moritz Bleibtreu mimt den RAF-Terroristen Andreas Baader in Bernd Eichingers Verfilmung des „Baader-Meinhof-Komplexes“, Jürgen Vogel spielt die Hauptrolle in „Die Welle“. Oscar-Preisträgerin Caroline Link führt Regie für ihr neues Drama „Im Winter ein Jahr“ und Til Schweiger – von Quentin Tarantino zu „einem der besten deutschen Schauspieler“ gekürt – beginnt demnächst mit den Dreharbeiten zu „Phantomschmerz“. Irgendwann im Laufe des Spätsommers soll auch Franka Potente in Berlin vor die Kamera treten: Sie spielt die Titelrolle in der Romanverfilmung von „Die Päpstin“, Volker Schlöndorff führt Regie.

Benno Fürmann dreht bereits, er hat eine größere Rolle in „Speed Racer“ ergattert. Von seiner Berliner Wohnung ist es nicht weit bis zum Studio Babelsberg. Seine „Speed Racer“-Kollegen Ricci, Sarandon und Goodman sind in kleinen Appartements im Süden Berlins untergebracht. Weil die Dreharbeiten bis Ende August dauern, baten die Darsteller darum, nicht die ganze Zeit über im Hotel wohnen zu müssen.

Bei den bisher bekannten Großprojekten wird es nicht bleiben. Allein das Studio Babelsberg verhandelt derzeit über zwei weitere große internationale Produktionen. Kommt es zum Vertragsabschluss, sollen die Drehs noch in diesem Jahr beginnen. Genaueres will das Studio nicht verraten – aber: In beiden Fällen sind Hollywood-Stars dabei.

Vielleicht wird auch Tarantino eines Tages in Berlin drehen. Seit längerem tüftelt der Regisseur an seinem Herzens-Projekt „Inglorious Bastards“, einem Film über den Zweiten Weltkrieg. Darin soll sich US-Schauspieler Michael Madsen mit einer Horde Nazis auseinandersetzen – natürlich mit den tarantino-üblichen Problemlösungen wie Hauen, Treten, Stechen und Schießen. Blut ist schließlich auch nur eine Farbe, findet Tarantino. Der Film soll im besetzten Frankreich der 40er Jahre spielen, aber Tarantino könnte einen Abstecher nach Nazideutschland ins Drehbuch schreiben. Dann könnte er sogar eine Szene im Führerhauptquartier drehen. Er müsste nur Tom Cruise darum bitten, seine nachgebaute Wolfsschanze in Dahme-Spreewald stehen zu lassen. Vielleicht hilft ja ein Spaziergang im Tiergarten.

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