SONNTAGS um zehn : Große Worte an großem Ort

Auftakt der Predigtreihe zum Mauerfall-Gedenken

Patricia Hecht

Der Titel: wie geschaffen. „Mit meinem Gott spring ich über Mauern“ – Worte aus Psalm 18, die gut passen zum Gedenkjahr des Mauerfalls und zum Erinnern an 20 Jahre friedliche Revolution, sagte Pfarrerin Eva-Maria Menard.

Der Ort: wie geschaffen auch er. In der Zionskirche in Prenzlauer Berg predigte bereits Nazi-Gegner Dietrich Bonhoeffer, Mitte der 80er Jahre bot die Kirche oppositionellen Gruppen in der DDR Raum.

Am ersten Sonntag nach Pfingsten hatte die Gemeinde trotz Regens zahlreich in die prachtvolle Backsteinkirche zwischen dichten, hohen Bäumen gefunden – auch, um die Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers Margot Käßmann zum Gedenkjahr des Mauerfalls predigen zu hören.

Sie begann ihre Predigt sehr persönlich und mit ihrer eigenen Wahrnehmung auf 1989. Im Rückblick verbinde sie 20 Jahre Mauerfall insbesondere mit dem Psalm 85,11: „...dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen“, sagte Käßmann.

Dreigeteilt sprach sie über die Zeit um 1989, ihren Blick auf die Kirche heute und auf die Welt, in der wir künftig leben. Nicht nur die Mauer, die zwischen BRD und DDR fiel, war dabei angesprochen – sondern auch Mauern in Köpfen, die die aktuelle politische Situation in der Welt betreffen.

Im Jahr 1989, sagte Käßmann, habe sich „etwas formiert, das Mut wachsen und ahnen ließ, dass Veränderungen kommen“. Blieben Frieden und Gerechtigkeit seitdem jedoch Visionen? Käßmann predigte zügig und, es hätte hier kaum anders sein können, politisch: Sie verwies auf Rüstungsexporte, Folter und steigende Armut – und auf die Verantwortung des Einzelnen, Mauern des Schweigens darüber einzureißen.

Eine außerordentlich klare Solistin, die den Gottesdienst begleitete, bekam Applaus. Sechs weitere Sonntage werden in dieser Reihe folgen. Am 5. Juli hält die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, die Predigt.Patricia Hecht

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