Sonntags um zehn : Respekt zum Ersten

Kunstauktion in der Heilig-Kreuz-Kirche: 30.000 Euro brachte die Veranstaltung am Sonntag. Das Geld fließt komplett in Projekte der Migrationsarbeit und Flüchtlingshilfe.

Eva Kalwa
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Hammermäßig. Auch Schirmherr Fatih Akin lieferte ein Werk ab. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Immer wenn Detlef Gosselck glaubt, da geht noch was, zählt er schnell bis zwei und macht dann vor der Drei eine kleine Pause. Und meist gibt das Ergebnis dem erprobten Auktionator und Schöneberger Künstler recht: Es findet sich immer noch ein Käufer, der bereit ist, 50 oder 100 Euro mehr für eines der 130 von Künstlern und Sammlern gespendeten Gemälde, einen Stich oder eine Skulptur zu bezahlen. Denn schließlich dient die 14. Kunstauktion der evangelischen Kirche an diesem Sonntag einem guten Zweck – da bietet es sich für die rund 300 Besucher in der Heilig-Kreuz-Kirche in der Zossener Straße in Kreuzberg besonders leicht. Allein rund 6000 Euro Spendengelder sind beim Galerieverkauf am Samstag schon zusammengekommen, weitere 30 000 Euro brachte die Auktion am Sonntag. Das Geld fließt komplett in Projekte der Migrationsarbeit und Flüchtlingshilfe. 2008 konnten so insgesamt rund 30 000 Euro gesammelt werden.

„Es gibt keine festgeschriebenen Eigenschaften, die die Integrationsfähigkeit eines Menschen erschweren. Integrationsprobleme haben immer vielfältige soziale Ursachen und müssen im Geist der Aufklärung, nicht des Vorurteils betrachtet werden“, unterstreicht Bischof Wolfgang Huber, Schirmherr der Veranstaltung, in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung der Hilfsprojekte für Migranten und Flüchtlinge. Und wendet sich dann gegen „rassistische Äußerungen in der aktuellen Debatte, die manche Menschengruppen von vornherein als integrationsunfähig abstempeln wollen“. Der zweite Schirmherr ist Regisseur Fatih Akin, der in Hamburg lebt und an diesem Sonntag nicht selbst nach Berlin kommen konnte. Die Rede des 36-jährigen Sohnes türkischer Einwanderer wird daher verlesen. Darin heißt es: „Die Projekte und Künstler vermitteln den Flüchtlingen, die in ihrem Alltag so oft mit Füßen getreten werden, mit ihren Arbeiten Achtung, Aufmerksamkeit und Würde. Das ist mehr als erste Hilfe. Das ist Respekt.“ Von Akin soll ebenfalls ein Werk versteigert werden. Es handelt sich um Filmmotive aus seinem neuen Film „Soul Kitchen“, und das Anfangsgebot liegt bei 200 Euro – für einen enthusiastischen Auktionator wie Gosselck eine echte Herausforderung.

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