Spendenaktion : Im Dreiklang für Haiti

Am Montag ist das Benefizkonzert in der Philharmonie. Die Organisatoren hatten nur sechs Tage zur Planung.

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319770_0_7c3d1570.jpg Foto: Davids
Einfach losgelegt. Kaspar Wollheim, Nadin Schmolke und Maria Reich haben das Konzert geplant. -Foto: Davids

Der Vorverkauf läuft erst seit 48 Stunden, und schon ist die Hälfte der 1200 Karten weg. Eigentlich ein Grund zum Jubeln für die drei Organisatoren – gäbe es nicht noch so viel zu tun.

Am Montagabend findet das Benefizkonzert „Berlin hilft Haiti“ im Kammermusiksaal der Philharmonie statt, mit namhaften Künstlern aus der Klassikszene, mit Klaus Wowereit als Schirmherrn, präsentiert von Tagesspiegel und RBB. Angeregt und geplant wurde der Abend aber von drei Einzelpersonen, die das Gefühl hatten, dass sie die Fernsehbilder aus Haiti nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen konnten. Die unbedingt etwas unternehmen wollten.

Die Idee kam der 19-jährigen Abiturientin Maria Reich. „Ich finde, wir sollten ein Benefizkonzert machen“, sagte sie zu Freunden. Sie dachte erst an eine Kirche als Veranstaltungsraum und dass ein paar Plakate als Werbung ausreichen könnten. Sie hatte es sich auch schwieriger vorgestellt, andere von ihrer Idee zu überzeugen. Aber da war keiner, der sie für verrückt hielt. Nur Menschen, die mithelfen wollten.

Zum Beispiel der Tontechniker Kaspar Wollheim, mit dem Maria Reich befreundet ist und der über sehr gute Kontakte zu Berlins Orchestern verfügt. Und die Pianistin Nadin Schmolke, die mit einer eigenen Agentur „Berlin music & art“ Klassikkonzerte organisiert. Zu dritt haben sie in sechs Tagen eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, für die es sonst Wochen der Planung braucht. Das Julius-Stern-Institut zur musikalischen Nachwuchsförderung stellte zahlreiche Musiker, die Philharmonie ihren Kammermusiksaal zur Verfügung. Die Liste der Profi- und Nachwuchskünstler, die auftreten wollten, wurde immer länger. Die bekannte Sopranistin Christine Schäfer etwa kam gerade von einem Auftritt aus New York zurück, wurde gleich nach ihrer Landung abgefangen und sagte sofort zu. „Es hat uns überrascht, von wie vielen Seiten Unterstützung kommt“, sagt Maria Reich. Acht Stunden telefoniert sie täglich, und wenn zwischendrin eine Minute Leerlauf ist, bombardiert sie ihre Bekannten mit Facebook-Anfragen, ob sie denn schon Karten gekauft hätten.

Die Chancen stehen gut, dass der Kammermusiksaal am Ende ausverkauft ist. Alle Einnahmen gehen an das Bündnis „Entwicklung hilft“ und von dort weiter an „Brot für die Welt“, „Medico international“, „Misereor“, „Terre des hommes“ und „Welthungerhilfe“.

Vor der Katastrophe ging es Maria Reich wie den meisten: Über Haiti wusste sie nicht viel, über das Organisieren von Benefizkonzerten noch weniger. Die vergangenen Tage kommen ihr rückblickend wie ein sechswöchiges Praktikum im Bereich Kulturmanagement vor. Und Organisationsprofi Nadin Schmolke lernte von der Abiturientin Reich, dass die Haltung „Nicht lange zweifeln, einfach mal loslegen“ sehr produktiv sein kann.

Samstagmittag sitzt Nadin Schmolke an einem provisorisch aufgestellten Schreibtisch im Flur der Universität der Künste in der Lietzenburger Straße vor ihrem Laptop und Papierbergen. Daneben liegt ein angebissenes Mozzarella-Baguette, und das ist ein gutes Zeichen, sagt sie. In den Tagen zuvor hatte Nadin Schmolke so viel Stress, dass sie immer erst nach 20 Uhr zur ersten Mahlzeit kam. Ganz wird sie ihr Baguette aber nicht aufessen. Da sind noch wichtige Anrufe zu erledigen.

Wo es Karten gibt - und wer auftritt

Das Konzert beginnt am morgigen Montag um 20 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1 in Tiergarten. Karten kosten zwischen 20 und 40 Euro, ermäßigt 12. Heute können sie telefonisch unter 01805-4470 oder übers Internet unter www.berlin-music-art.com erworben werden, morgen auch bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Sopranistin Christine Schäfer wird mit Pianist Eric Schneider auftreten und Lieder von Henry Purcell und George Crumb singen, Tenor Björn Casapietra wird von Sibylle Briner am Klavier begleitet.

Der Staats- und Domchor Berlin singt die Hymne „Hör mein Bitten“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Wilhelm Matejka, Programmchef des rbb-Kulturradio, moderiert. 

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