Spendenaktion : Rote Rosen für den bröckelnden Turm

Auf einer Benefiz-CD interpretieren Künstler den unvergessenen Hit von Hildegard Knef – zugunsten der Gedächtniskirche.

Claudia Keller
Knef
Die Rosenfrau. Von Hildegard Knef stammt das Chansson. -Foto: ddp

Ihr Herz für den Alten Turm der Gedächtniskirche entdecken immer mehr Unternehmer, Sportler und nun auch Künstler. Und so spielt heute zum Beispiel Judy Winter eine Abwandlung des Hildegard-Knef-Hits „Für dich soll’s rote Rosen regnen“ für eine CD ein. Der Adressat des Liedes ist das berühmte Gotteshaus auf dem Breitscheidplatz, das unter akuter Finanznot leidet. Der Alte Turm bröckelt. Ihn zu sanieren, kostet 3,5 Millionen Euro.

Der Gemeindekirchenrat, auch die evangelische Landeskirche können diese Summe nicht alleine aufbringen. Deshalb startete die Kirchengemeinde vor einem halben Jahr eine groß angelegte Spendenkampagne zur Rettung des Berliner Wahrzeichens. „Ich bin dabei“ prangt das Logo von Litfaßsäulen und an Bushaltestellen, Hertha BSC spendete das Geld, das an einem Spieltag im Dezember im Hertha-Fanshop eingenommen wurde, auch die Wall AG, Gasag und die Berliner Bank helfen mit. Im Dezember verkaufte die Bank rote Rosen und überwies 20 000 Euro auf das Spendenkonto. Und die Berliner Bank steht auch hinter der jüngsten Idee: der Benefiz-CD mit Rote-Rosen-Liedern zugunsten der Gedächtniskirche.

Außer Judy Winter kommen in diesen Tagen auch Nina Hagen und Marianne Rosenberg in die Hansa-Studios in die Köthener Straße, um den berühmten Song der Knef für die Benefiz-CD aufzunehmen. Entertainer Didi Hallervorden hat eine eigene Version des Liedes gedichtet. Darin kalauert er in gewohnter Weise über die Vorzüge der Ehe. Sängerin und Musicaldarstellerin Ute Lemper ist in New York in ein Studio gegangen, um sich an der Rettung der Gedächtniskirche zu beteiligen – schließlich lebt sie mit ihrer Familie in den USA.

Berlin-Fan Edzard Reuter hat Knefs Lied in einen Sprechgesang verwandelt. „Nicht ganz Serge Gainsbourg“, sagt einer, der ihn gehört hat, „aber so ähnlich.“ Auch die Cellisten der Berliner Philharmoniker machen mit, die Originalversion der Knef ist ebenso auf der CD wie die Variante von Extrabreit. Die Scheibe ist ab dem 6. März in allen Filialen der Berliner Bank und der Supermarktkette Kaiser’s erhältlich.

Die Künstler wollten für ihren Auftritt kein Geld, der Erlös der CD fließt ganz und gar auf das Spendenkonto. Dort sind mittlerweile 255 000 Euro zusammengekommen. Der Senat hat 1,5 Millionen Euro versprochen. Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) unterstütze das Projekt zwar sehr, allerdings habe man bislang nicht mehr als eine Absichtserklärung seitens des Senats, betont der Gemeindekirchenrat jedoch.

Die Kirchengemeinde hat im November eine Hotline zur Spendenkampagne eingerichtet, wo sich täglich ein paar Dutzend Anrufer erkundigen, wie man etwas für das berühmte Wahrzeichen tun könne. Manche bemerken erst dann, wie wertvoll etwas ist, wenn es vom Verfall bedroht ist. Claudia Keller

Spendenkonto: Berliner Bank, Kontonummer 22222, Bankleitzahl 100 200 00, Empfänger ist die Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

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