Spreeblüte : Neue Währung für Berlin

In Berlin startet bald eine neue Regionalwährung: Die "Spreeblüte". Mit einer eigenen Währung sollte das Berliner Warensystem angekurbelt, fair und nachhaltig in der Region gehandelt und lokale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden.

Silke Weber
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„Berliner“ statt Euro. So war’s bei der alternativen Vorgängerwährung. Foto: Rückeis

Das versprach das Regiogeld „Berliner“ – und konnte es nie ganz einlösen. Nach vier Jahren wird die alternative Währung nun abgeschafft und durch eine neue abgelöst: Die Regiogeld-Initiative „Spreeblüte“ will vieles besser machen.

Der „Berliner“ startete gar nicht so schlecht: Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Bundestags, kaufte mit dem eurobasierten Gutschein ein und schnell formte sich ein Anbieter-Netzwerk. Vor allem in Prenzlauer Berg, aber auch anderen Bezirken konnte man mit dem „Berliner“, der eins zu eins in Euro umgerechnet wird, im Bioladen, in Cafés und Restaurants bezahlen oder eine Reiki-Behandlung buchen. Das Regiogeld aber konnte sich nicht durchsetzen. Nur noch wenige tausend „Berliner“ sind im Umlauf, wahrscheinlich schlummern diese in den Schubladen der Konsumenten. Im Herbst ist eine allgemeine Rücktauschaktion für den „Berliner“ geplant.

Regiogeld ist vielerorts neben den gesetzlichen Zahlungsmitteln ein akzeptiertes Tauschgeld, um nach der Devise „lokal statt global“ regionale Märkte zu stärken. Der Chiemgauer etwa, die alternative Währung rund um den Chiemsee, ist ein deutsches Erfolgsbeispiel: 600 Unternehmen und viele Privatpersonen beteiligen sich. Regiogeld kann lokale Wirtschaftskreisläufe unabhängiger vom Weltmarkt machen. In Deutschland gibt es laut Regionalgeld e.V. insgesamt 23 Regionalwährungen, 40 weitere sind in der Vorbereitung. Auch die Großstadt Hamburg ist mit der Kiezwährung Alto dabei, allerdings beschränkt sich diese auf den Hamburger Bezirk Altona.

„Das Berliner Pflaster ist mit seinen unterschiedlichen Kiezstrukturen eigenwillig“, sagt Susanne Thomas, die Vorsitzende des Vereins Berliner Regional: „Regiogeld funktioniert in ländlichen Regionen besser, weil hier die lokale Verbundenheit von Konsumenten und Produzenten stärker ist.“ Das „Berliner“-Projekt wurde bis zuletzt ehrenamtlich betrieben, der Schritt in die Professionalisierung scheiterte. „Wir sind irgendwie in der Ökokuschelecke gelandet“, sagt Thomas. So ganz kann sie sich das Scheitern noch nicht erklären. Vielleicht hätte man mehr „Anreize für Gewerbetreibende schaffen“ müssen, „besseres Marketing und Kundenbetreuung“, überlegt sie.

Theophil Wonneberger, Vorstand des Verein Regio Berlin, glaubt, das die alternative Währung mit neuen Ideen doch auf dem Gesamt-Berliner Pflaster funktionieren kann. Die Spreeblüte „ist nicht wie der ,Berliner’ eurogedeckt. Damit wird auch die Abhängigkeit von den Weltwährungen gesenkt“, sagt Wonneberger. Die alternative Währung will stärker die Produzentenseite einbeziehen und damit den Berliner Binnenhandel fördern. Derzeit wird ein Netzwerk an teilnehmenden Unternehmen aufgebaut. Das Regiogeld halte die Unternehmen liquide und ermögliche die zinslose Zahlungsfähigkeit. „Es funktioniert wie eine Art Bonussystem, um so mehr Leistung die Unternehmen investieren, desto mehr ,Spreeblüten’ erhalten sie.“ Für den Konsumenten soll es auch gedruckte „Spreeblüten“ geben, die können dann von Unternehmern als Rabatte vergeben werden. Wann die „Spreeblüten“ sprießen, ist noch ungewiss, die ersten soll es voraussichtlich 2010 geben. Silke Weber

www.berliner-regional.de

www.regio-berlin.de

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