Staatliche Museen : Ferien zwischen alten Schätzen

Gestern konnten Schüler kostenlos die Staatlichen Museen besuchen. Auch in den kommenden Wochen gibt es viel zu entdecken

Werner Kurzlechner

Die Arme verschränkt, die Mimik beinahe so unbewegt wie die der Nofretete vor ihr. Begeistert wirkt das Mädchen nicht gerade, das vor den Stücken der ägyptischen Sammlung im Alten Museum scheinbar gelangweilt von den Fersen auf die Zehen wippt. Aber in Wahrheit hat die Statue aus der Pharaonenzeit Julia durchaus in ihren Bann gezogen: „Schön bunt und so gut erhalten.“ Ist Julia, die nächstes Schuljahr in die siebte Klasse kommt, vielleicht eine Berliner Schülerin, die zum Auftakt der Ferienzeit ihren Vater in die Schau uralter Schätze schleppte? Denn gestern gewährten die Staatlichen Museen mit der Aktion „Kinder laden ihre Eltern ein!“ den jungen Besuchern und einem erwachsenen Begleiter freien Eintritt. Nein, die beiden sind aus Duisburg zu Besuch in Berlin.

Nur wenige Schüler zerrten ihre Eltern gestern zu den prachtvollen Stücken auf die Museumsinsel. Jedenfalls zwischen 13 und 14 Uhr kamen sie nicht in Scharen. Mehr Kinder als sonst im Pergamonmuseum? „Ganz normal“, nuschelt ein Wärter. Das heißt Gedränge vor den Highlights wie Pergamonaltar und Ischtar-Tor, Alt und Jung aus aller Welt. In den übrigen Teilen der Ausstellung schienen nicht mehr Besucher als sonst auch da zu sein. Maria Thomassen vom Besucherdienst berichtet hingegen, ihr Telefon habe wegen vieler Anfragen ununterbrochen geklingelt.

Vielleicht sollte man aber nicht nur auf die Zahlen starren. Schließlich versüßte die Aktion einer Enthusiastin wie Cora Schroeder den Ferienbeginn. Die Viertklässlerin faszinieren Ägypten und die Hieroglyphen ungemein – „eine Art „Geheimschrift“. Minutenlang musterte Cora jede einzelne Statue. Nach einem morgendlichen Radiohinweis hatte sie ihre Mutter zur Gratis-Zeugnis-Belohnung im Museum ermuntert.

Jörg Wenzel, Lehrer aus Zehlendorf, der mit seinen Töchtern eigens zur Neuen Nationalgalerie fuhr, war allerdings erzürnt darüber, dort keinen kostenlosen Einlass zu finden. Die Aktion zum Auftakt galt nur für die ständigen Ausstellungen der Staatlichen Museen, nicht für Sonderausstellungen wie die Franzosen-Schau. Dafür freuten sich andere umso mehr über die Überraschung, insbesondere Hauptstadt-Urlauber. Der kleine Michael und sein Vater etwa, die sich bei freiem Eintritt nach dem Pergamonmuseum auch noch das Alte Museum anschauten. Werner Kurzlechner

In den 15 Häusern der Staatlichen Museen wird von kommendem Sonnabend bis zum letzten Feriensonntag am 26. August allerlei geboten: Im Hamburger Bahnhof erfahren Kinder zum Beispiel, warum Martin Kippenberger einen Vollmond aus Spaghetti malte, im Museum Berggruen gibt es kreative Malaktionen, und im Ethnologischen Museum Dahlem geht es „ab durch die Wüste“ – in heißem Sand. Das komplette Ferienprogramm der Staatlichen Museen kann man unter www.smb.spk-berlin.de/smb/home/index einsehen.

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