Staatsoper : Kinder tanzen Mauern nieder

Grundschüler probten in der Staatsoper. Heute Abend zeigen sie ihr Stück.

Ulrike Gentz
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Große Bühne. In der Deutschen Oper probten die Kinder der Chamisso-Grundschule (Reinickendorf), der Erika-Mann-Grundschule...

Berlin – Heute haben sie ihren großen Auftritt, die 63 Kinder der Erika-Mann-Grundschule in Wedding, der Chamisso-Grundschule im Märkischen Viertel und der Pankower Grundschule im Hasengrund. Zwei Monate haben sie für ihr Tanzstück „Grenz_los – Mauern überwinden“ geübt, jetzt zeigen sie ihr Stück im Fontane-Haus in Reinickendorf. Zuletzt haben die Kinder intensiv in der Staatsoper geprobt, mit Choreografin Kathlyn Pope vom Staatsballett Berlin, die viele Ideen der Kinder aufgriff. Gemeinsam besuchten sie auch die Mauergedenkstätte Bernauer Straße.

Das Staatsballett, das Wohnungsunternehmen Gesobau und der Verein „Tanz ist Klasse!“ als Initiatoren des Projekts wählten Schulen aus sozial unterschiedlich geprägten Bezirken aus, um Kontakte über Bezirksgrenzen hinweg zu ermöglichen. „Die ersten Proben waren frustrierend. Die Schüler mussten erst lernen, ihren Körper selbstbewusst zu präsentieren“, erzählt Lehrer Klaus Gröger von der Erika-Mann-Grundschule. „Aber gerade Kinder, die es in anderen Fächern schwerer haben, strengten sich besonders an.“ Das wiederum stärkte ihre Akzeptanz in der Klasse und ihr Selbstwertgefühl.

Auffällig sei für ihn die psychosoziale Wirkung der Probenarbeit: „Aggressive oder hyperaktive Schüler wurden mit einem Mal ruhiger und zeigen unerwartete soziale Kompetenzen.“ Die Kinder mussten lernen, füreinander Verantwortung zu übernehmen, denn von jedem einzelnen Tänzer hängt es ab, ob das Gesamtbild auf der Bühne funktioniert. Im normalen Schulalltag geht es oft darum, besser oder stärker zu sein als die anderen.

Die Schüler zu motivieren sei nicht schwer gewesen. Nur wenige seien abgesprungen und die, die durchgehalten haben, sind stolz auf sich. „Wer tanzen kann, ist cool“, sagt etwa Jordi. Und warum sind nur so wenige Jungs dabei? „Die denken vielleicht, Tanzen ist Mädchensache und schämen sich“, sagt Jordi. Er hat es keinen Augenblick bereut Dies ist für Pope die schönste Bestätigung: „Kindern soll Tanzen vor allem Freude bereiten.“

„Grenz_los“, 4. Dezember, 18 Uhr, Fontane-Haus, Wilhelmsruher Damm 142c, Karten: 20354596, Preise 4 und 2 Euro

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