Stadtkunst : Dickes Ding

Ab 26. September sind in Berlins Mitte 16 Skulpturen des umstrittenen Künstlers Fernando Botero zu sehen. Nicht allen gefällt das.

Moritz Gathmann
Botero
Kunst zum Anfassen: Fernando Botero vor einer seiner Statuen. -Foto: AFP

Am 26. September steht den Berlinern ein Kunstereignis zum Anfassen bevor: 15 Skulpturen des Kolumbianers Fernando Botero werden im Lustgarten zu sehen sein, ein vier Meter großes Pferd wird vor dem Brandenburger Tor enthüllt.

Botero ist kein unumstrittener Künstler: Im vergangenen Jahr schockierte er die Welt mit künstlerischen Nachahmungen der Folterbilder von Abu Ghraib. Auf seinen Gemälden stellte er die entwürdigenden Szenen nach – mit den für ihn typischen extrem dicken Menschen. Weltruhm erlangte er zuvor mit seinen überdimensionalen Skulpturen, die nach Paris, New York und Lissabon nun nach Berlin kommen. Ein ganz besonderes Erlebnis soll es sein, an den üppigen Formen der schwarz glänzenden Menschen und Tierskulpturen entlangzutasten. Die Bronzestatuen werden zwei Monate lang in Berlin zu sehen – und anzufassen – sein. Doch nicht alle sind darüber erfreut: Die Berliner Bundestagsabgeordnete Monika Grütters (CDU), die mit der „Stiftung Brandenburger Tor“ im Max-Liebermann-Haus zu den Anrainern gehört, versteht nicht, wie „ohne erkennbare Kriterien einem Künstler der spektakulärste Straßenraum zur Verfügung gestellt wird“. Das Pferd Boteros sei aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe – nach Fashion Week und dem skandalösen Bushido-Auftritt vor dem Brandenburger Tor. „Der öffentliche Raum darf nicht nach Gutsherrenart vergeben werden“, empört sich Grütters. In den Berliner Museen sehe man dies ähnlich: Die 14 Botero-Figuren vor dem Alten Museum würden dort als der „neue Buddy-Bär-Reigen von Berlin“ gewertet.

Wolfgang Brauer, kulturpolitischer Sprecher der Linkspartei in Berlin, findet die Kritik an den Skulpturen dagegen „albern und piefig“. Es seien nur die „üblichen Puristen, die sich darüber mokieren“. Ähnlich gelassen sieht es Brigitte Langer, kulturpolitische Sprecherin der SPD. Das von der kolumbianischen Botschaft angeregte Projekt wurde vom Bezirksamt Mitte organisiert. Dort entschied eine Kunstkommission über die Aufstellungsorte. 

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