STADTMENSCHEN : „Bella Block“ mit roten Radieschen

Als TV-Kommissarin „Bella Block“ lockt sie seit 1993 regelmäßig sechs bis sieben Millionen Zuschauer vor den Bildschirm – am Donnerstagabend waren es etwa 600, die zu Hannelore Hoger in die Komödie am Kurfürstendamm kamen. Allen voran natürlich ihre in Schöneberg wohnende Tochter und Kollegin Nina Hoger, aber auch andere Schauspieler wie Dennenesch Zoudé, Achim Wolff und Leslie Malton, der Rechtsanwalt Peter Raue und der Visagist René Koch.

Das Vergnügen, nach langer Zeit mal wieder die rothaarige Charakterschauspielerin aus Hamburg an der Spree auf einer Bühne zu sehen, war gleichzeitig mit der herzhaft aufgefrischten Erinnerung an einen großen Berliner verbunden. Ist der Abend mit Rezitation und Gesang doch Kurt Tucholsky gewidmet, der am 9. Januar 1890 in der Lübecker Straße geboren wurde und am 21. Dezember 1935 seinem Leben im Exil in Göteborg ein Ende setzte, weil ihm „der Grund zu kämpfen, die Brücke, das innere Glied, die raison d’être fehlte“.

Eine Premiere war das Programm unter dem Motto „Außen rot und innen. . .“ dabei nur für Berlin. Bereits 1990 ließen es sich in Hamburg Hannelore Hoger, Dietmar Mues und Joachim Kuntzsch, die sich aus dem Schauspielhaus kannten, zum 100. Geburtstag von Carl von Ossietzky einfallen. Mit so viel Erfolg, dass sie den Tucholsky-Abend seither immer mal wieder „aus der Kiste“ holen. Jetzt für Berlin, wo man das Trio am Donnerstagabend bis in die Nacht feierte. Und nicht zuletzt auch Tucholsky – hochaktuell sein Schmäh aufs großmäulige Berlin, auch auf Politiker, die wie Radieschen außen rot und innen weiß sind. Komödiantische Feuerwerke zünden Hoger und Mues mit Monologen wie „Lottchen beichtet 1 Geliebten“ und „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“. Kuntzsch gibt dagegen etwa den „Barrikadensänger“ Busch, wenn er Musik von Eisler singt. Das letzte Wort hatte die Hoger. Als unweigerlich letzte Zugabe gab sie ihrem Affen nochmals Zucker und las zwerchfellerschütternd berlinernd vor, was Tucholsky über „Die Beleuchter“ schrieb. Das sind die, die dafür sorgen, dass auf der Bühne alle im rechten Licht stehen.

Am Donnerstagabend gehörte auch das Löwenmaskottchen der „Kommissarin“ dazu – am Montag wird sie 65. Von Rente aber keine Spur. Wenn sie ein passendes Stück findet, sieht man sie vielleicht am Kudamm wieder – dann als Regisseurin.hema

Komödie am Kurfürstendamm: „Außen rot und innen...“ – 23., 24., 25. und 26. August, Kartentelefon: 88 59 11 88.

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