Stadtmenschen : Belustigter Blogger, Schreibender DJ

Der Berliner Blogger Michael Nast lacht sich über seine eigenen Großstadtkolumnen kaputt, und der DJ-Altmeister Grandmaster Flash stellt seine Autobiografie vor.

Wie lustig wäre eine Lesung von Helge Schneider oder Wiglaf Droste, wenn der Autor vor Lachen über seine eigenen Texte nicht zum Vorlesen käme? Vermutlich nicht sehr komisch. Der Berliner Blogger Michael Nast allerdings findet seine Großstadtkolumnen selbst so witzig, dass er sich über seine kurz- bis langweiligen Geschichten um das Singledasein schier ausschüttet. Mit dem Schauspieler Oliver Korittke hat Nast gerade ein Hörbuch mit dem Titel „Berliner Schule“ veröffentlicht, das die beiden Freunde am Mittwochabend im Week-End-Club vorstellten. Läse Korittke nicht auch mit trockenem Humor einige Texte, die Veranstaltung zwölf Stockwerke über dem Alex wäre an Peinlichkeit schwer zu überbieten. Der Auftritt des vermeintlichen Kultautors Nast bleibt zum Glück nur der leicht befremdliche Auftakt eines Abends, der zu späterer Stunde auf Besseres hoffen lässt.

Denn einer der ganz Großen am Plattenteller wird erwartet, der das Week End ebenfalls für Eigenreklame gebucht hat: Joseph Saddler alias Grandmaster Flash. Der DJ-Altmeister aus New York ist in Berlin, um seine Autobiografie „The adventures of Grandmaster Flash“ vorzustellen und später an den Plattenspielern zu zaubern. Flash erzählt davon, dass das Schreiben eine Art Therapie für ihn war. Als kleiner Junge sei er von seinem Vater krankenhausreif geschlagen worden, wenn er es wagte, sich dessen Plattensammlung zu nähern. Heute danke er seinem Vater dafür, dass er ihn durch seine Strafen zu dem Musikfanatiker gemacht habe, der er geworden sei. Bis Flash gegen halb zwei selbst am Plattenspieler steht, müssen die zahlreichen Fans dann noch viele Griffe in die HipHop-Mottenkiste und eine langwierige Fummelei am Laptop des DJs aussitzen: Die digitale Revolution ist nach Jahren des Widerstandes auch beim Großmeister angekommen. Schade. eve

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