STADTMENSCHEN : Bonner Wurzeln, Berliner Tempo

Kein Wort zu Müntefering, das wäre auch unklug gewesen. Zu groß die Gefahr, dass beim 55. Geburtstag des Deutschen Presseclubs dann plötzlich die Gäste abhanden kommen, weil sie rasch in ihre Redaktionen telefonieren müssen. Stattdessen ging Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Dienstagabend ausführlich in seiner Festrede auf das Verhältnis von Medien und Politik ein und die Veränderungen, die es in den letzten Jahren durchgemacht hat, vor allem aufgrund des immer heftigeren Wettbewerbs. Nach seinem Gefühl haben sich die Prioritäten so verschoben: „Bilder vor Texten, Unterhaltung vor Informationen, Personen vor Sachverhalten, Schnelligkeit vor Gründlichkeit, Prominenz vor Kompetenz“. Er stelle sich die Bedingungen nicht gerade gemütlich vor, sagte er. Zuvor hatte Gerd Depenbrock, der Vorsitzende des traditionsbewussten Clubs, der fest zu seinen Bonner Wurzeln steht, unter dem Motto „Kinder, wie die Zeit vergeht“ an die Anfänge unter ganz anderen Arbeitsbedingungen erinnert.

Auch Werner Gößling war dabei, der nächste Woche mit der Frau des Bundespräsidenten den Bundespresseball miteröffnen wird. „Glücklicherweise gucken alle immer nur auf den Bundespräsidenten und meine Frau“, sagte er. Die von Lammert beklagte Beschleunigung des Medientempos durch die Berliner Republik war an diesem Abend in der Bertelsmann-Repräsentanz jedenfalls nicht zu spüren: Nach der Rede gab es noch ein Konzert der „Happy Disharmonists“, die das Kanon-Prinzip an Ohrwürmern wie „Wunder gibt es immer wieder“ zur Kunstfertigkeit entwickelt haben. Bi

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