Stadtmenschen : Der König vom Gendarmenmarkt öffnet heute sein Brauhaus

Josef „Jo“ Laggner befestigt heute seine Herrschaft über den Berliner Vorzeigeplatz mit einer weiteren gastronomischen Einrichtung.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Kaiser vom Alexanderplatz war eine Bühnenfigur, ein Kneipenwirt, der sich in ärmlichen Verhältnissen durchschlagen musste. Der König vom Gendarmenmarkt ist höchst real und zeigt sich nach Kräften alles andere als ärmlich: Josef „Jo“ Laggner befestigt heute seine Herrschaft über den Berliner Vorzeigeplatz mit einer weiteren gastronomischen Einrichtung. In den Räumen des ehemaligen Café Möhring an der Ecke Charlotten-/Jägerstraße eröffnet er das „Augustiner am Gendarmenmarkt“, ein bayerisches Brauhaus mit 200 Plätzen.

Den Anlass für diese nicht unbedingt originelle Neugründung werden die Betreiber des Maximilian-Bräuhauses um die Ecke nicht so gern hören: Er habe, erzählt Laggner, nicht wegen eines guten Bieres immer erst nach München fahren wollen – was halt einer so sagt, der macht, worauf er Lust hat.

Man könnte die Gründung auch als eine subtile Ätsch-Geste interpretieren: Laggners „Lutter & Wegner“ im Münchener Künstlerhaus musste Weihnachten 2009 schließen, wegen „unüberwindbarer Differenzen“ mit der Künstlerhaus-Stiftung, wie es heißt. Ein Knick in der sonst so makellosen Erfolgsbilanz des 43-jährigen gebürtigen Österreichers, der mit 19 als mittelloser Jungkellner nach Berlin gekommen war.

Das Laggner-Imperium am Gendarmenmarkt stützte sich bisher auf das Stammhaus „Lutter & Wegner“, die gegenüber liegende „Newton-Bar“, das „Cellinis“ im Quartier 205 und die „Gendarmerie“, das Großrestaurant in der Behrenstraße. Weitere Berliner Betriebe der Gruppe sind Kaisersaal, „Lutter & Wegner“ im Weinhaus Huth und „Oscar & Co“ am Potsdamer Platz, die „Fischerhütte“ am Schlachtensee, die „Vienna Bar“ und ein weiterer L&W-Ableger in der Oranienburger Straße; der Name leuchtet auch über Betrieben in Hamburg, Heringsdorf und Badgastein. Allein in Berlin beschäftigt Laggner rund 500 Mitarbeiter und ist damit der größte Gastronom der Stadt. In Potsdam hat er sich Ende 2008 das Krongut Bornstedt zugelegt, auf dem er auch eine Hausbrauerei betreibt – offenbar noch nicht ganz auf Münchener Qualitätsniveau …

Seine weitere Expansion in der brandenburgischen Landeshauptstadt hängt im Moment allerdings fest: Es geht um den maroden Bürgerbahnhof am Kaiserbahnhof. Den Zuschlag für den Kauf hat er im vergangenen Juni erhalten, doch sein Konzept kollidiert mit dem Planungsrecht und müsste stark überarbeitet werden. „Die Verhandlungen laufen noch“, bestätigte Stadtsprecherin Rita Haack jetzt. Laggner wollte den Bahnhof sanieren und unter anderem als Ausflugslokal nutzen.

Die Sache wird sich finden. So oder so ist Laggner sicher nicht am Ende angekommen. Allein der Gendarmenmarkt bietet ihm noch allerhand Möglichkeiten zur Ausdehnung des Imperiums – auf kaiserliche Größe? Bernd Matthies

„Augustiner am Gendarmenmarkt“; Telefon: 204 540 20; täglich von 10 bis 1 Uhr. Internet: www.augustiner-braeu-berlin.de

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