STADTMENSCHEN : Die Ein-Mann-Werbefabrik

Beim ADC sprach Karl Lagerfeld gestern über Erfolg

Als Karl Lagerfeld gestern nach Berlin kam, zollte er glatt der einheimischen Mode Tribut. Zwar trug er wie immer eine Sonnenbrille, doch die war nicht von ihm selbst kreiert, sondern vom Berliner Modemacher Michael Michalsky. „Ein Geschenk“, wie Lagerfeld verriet. Der 74-jährige Modemacher ist selbst eine Marke – nicht nur in der Mode, sondern auch als Mensch verkauft er sich erfolgreich. Wie er das schafft, verriet der Designer gestern Deutschlands führenden Kreativen, die sich seit Donnerstag auf dem Kongress des Art Directors Club für Deutschland (ADC) in den Premiumhallen am Gleisdreieck treffen.

„Ich bin nie mit mir zufrieden und deshalb mache ich immer weiter“, erklärte Lagerfeld sein Erfolgsrezept. Von den Entwürfen, über die Fotos bis hin zur Gestaltung der Schaufenster nehme er alles selbst in die Hand, sagte der Moderator Amir Kassaei, der den Designer auf dem Podium interviewte. Seine Inspirationsquelle sei aber nicht nur seine permanente Unzufriedenheit: „Genau wie der Appetit beim Essen kommt, habe ich meine besten Ideen während der Arbeit. Kreative Auszeiten am Meer sind deshalb Quatsch“.

90 Prozent seiner Entwürfe würden im Papierkorb landen. Wie jeder Mensch brauche er den Misserfolg: „Aus Erfolg hat niemand etwas gelernt.“ Marketing findet Lagerfeld allerdings überflüssig: „Das ist ein Beruf, um eine Gehaltsklasse zu rechtfertigen.“ Ein erfolgreiches Produkt brauche vor allem ein Logo, das überall auf der Welt erkennbar ist. So wie das verschlungene Doppel-C von Chanel.

Deshalb hält Lagerfeld auch nicht viel davon, dass Berlin jetzt zur Marke gemacht werden soll. Allerdings schätzt er die Stadt, wie er dem Tagesspiegel sagte. Obwohl Berlin für ihn auch nach der Wiedervereinigung noch immer „ein Körper ist, dem Arme und Beine abgeschlagen wurden.“

Wenn heute Designer Michalsky auf dem ADC über „Mode. Die Sprache, die jeder versteht“ referiert, wird Lagerfeld nicht dabei sein. Er kennt diese Sprache, genauso wie ihren Sinn: „Mode basiert auf den Wünschen, darauf, wie man sein möchte. Nicht auf dem, was man ist.“ Deshalb würde auch keine Werbekampagne mit dicken Models funktionieren. Auch Lagerfeld hat eine Radikaldiät hinter sich, trinkt seither fast nur noch Cola. Gestern allerdings aus der Flasche, nicht aus der Dose. Das dürfte Kameramann Michael Ballhaus gefreut haben, der auf dem ADC seine Kampagne gegen Energieverschwendung präsentierte. sop

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