Stadtmenschen : Ein Botschafter spielt Bach

Der britische Botschafter Sir Michael Arthur hatte zum „Piano Recital“ geladen.

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Foto: Mike Wolff

Dass ein Botschafter zum Hauskonzert einlädt, mag so ungewöhnlich nicht sein. Wenn er aber selber als Solist den Abend bestreitet, dann kann man von einem außergewöhnlichen Ereignis sprechen. Der britische Botschafter Sir Michael Arthur hatte zum „Piano Recital“ geladen. Viele der Gäste, darunter VBKI-Präsident Klaus von der Heyde, die früheren Minister Otto Schily und Jörg Schönbohm, Botschafter a.D. Bernhard von der Planitz und US-Botschafter Philip Murphy mit Frau Tammy waren überrascht, dass der Botschafter das über einstündige Programm selbst aufführte. Er wolle zwei zentrale Wesenszüge der deutschen Musiktradition zeigen, zum einen die Disziplin und Strenge Bachs, die sich gleichwohl mit melodischer Schönheit verbinde, zum anderen die romantische Stimmung des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich, sagte der Botschafter.

Unter anderem spielte er Goldberg-Variationen von Bach, die Klaviersonate Op. 10 in c-Moll von Beethoven, Liedtranskriptionen von Liszt und Schubert und „stellvertretend für die deutsch-russische Affinität“ ein Stück von Skrjabin, das die ganze Tastatur umfasst, aber nur für die linke Hand geschrieben wurde. Großer Beifall, Zugaben. Der langjährige Chef der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Peter Eigen, war mit Frau Gesine Schwan gekommen und lobte beim anschließenden Dinner den kulturellen Brückenschlag. Er erzählte, dass der Botschafter auch vorzüglich Violine und Bratsche spiele und dass er selber gern gemeinsam mit ihm musiziere und die Klarinette spiele.

Es war nicht das erste Konzert des Botschafters. Am Vorabend hatte Sir Michael Arthur für den Ambassadors Club gespielt, war aber in früheren Jahren auch schon in Indien und Paris aufgetreten. Lampenfieber habe er schon, sagte er. Aber das war es sicher wert, denn die musikalische Diplomatie öffnet völlig neue Horizonte. Die Furcht vor deutschen Reden ist ja gerade im angloamerikanischen Bereich recht ausgeprägt. Vielleicht wollte der britische Botschafter, gerade weil er auch ein passionierter und gefragter Redner ist, mit dem gespielten Prestissimo mal neue Wege aufzeigen. Bi

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