Stadtmenschen : Italienisches Gespür

Antonio Puri Purini ist nicht nur der erfolgreiche Botschafter Italiens. Er ist auch ein kunstverständigen Humanisten mit europäischer Perspektive.

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Antonio Puri Purini (r.) italienischer Botschafter. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Gehört Kunstgeschichte zur Berufsausstattung von Botschaftern? Eher vielleicht nicht. Doch Antonio Puri Purini ist nicht nur der erfolgreiche Botschafter Italiens, als den man ihn seit drei Jahren in Berlin kennt. Die traditionelle Bildbetrachtung beim nicht weniger traditionellen vorweihnachtlichen Abend des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins in der Gemäldegalerie zeigte ihn am Sonntagabend als kunstverständigen Humanisten mit europäischer Perspektive.

Gut, es war schon aufgefallen, dass Puri Purini im vergangenen Jahr im Alten Museum die Ausstellung „Schönheit“ mit Werken der Staatlichen Museen kuratiert hat. Nun bewies er mit der von ihm für den Vortrag ausgewählten „Grablegung Mariae“ von Giotto de Bondone, dass er über den großen historischen Blick verfügt wie über das Gespür für die Bildsprache des Meisters mit ihrer Durchdringung von Spiritualität und Menschlichkeit.

Das um 1310 gemalte Bild wurde in seiner Deutung zum Zeugnis für die große Wende des 14. Jahrhunderts, in der aus der mittelalterlichen Starre die ersten Bewegungen einer Zivilgesellschaft aufstiegen. Und zugleich zum Anlass eines Nachdenklichkeits-Schubs: Er betrifft unser bedrohtes Verhältnis zu jener Vergangenheit, die der Urgrund Europas ist. Eine Botschaft des Botschafters.

Vereinsmitglieder und Gäste fühlten sich bereichert. An einem Abend, der sonst nach gewohntem Muster verlief: Bilanz – wie immer erfolgreich – vom Vorsitzenden Tessen von Heydebreck, Dank für Hilfe von Galerie-Direktor Bernd Wolfgang Lindemann, Weihnachtslieder des Belcanto-Chores, Buffet des Hotels Interconti.

Nur eins war anders: Im Hintergrund hatte nicht mehr Anna-Maria Erlen als guter Geist gewaltet. Nach mehr als 20 Jahren Tätigkeit hat sie sich aus dem Vorstand zurückgezogen und wurde mit warmem Beifall verabschiedet. Nun ist dort Karin von Oppenheim die Dame neben neun Herren. Rdh.

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