STADTMENSCHEN  : Kunst am Frühstückstisch

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Foto: ddpdpa

So sieht eine ehrliche Diplomaten-Begrüßung aus: „Nun sind wir schon fast ein halbes Jahr hier, jetzt erkennen wir immerhin schon die Hälfte der Gäste.“ US-Botschafter Philip Murphy und seine Frau Tammy hatten in Zusammenarbeit mit US-Kulturattaché Elizabeth Corwin Kunstfreunde in ihre Residenz in Dahlem geladen zu einer ganz besonderen Vernissage. Zum ersten Mal bekommen junge Gäste des DAAD-Künstlerprogramms und der deutsch-amerikanischen Fulbright Kommission die Chance, ihre Werke für einige Monate in der Botschafter-Residenz auszustellen. Dort werden sie nicht nur die sechs Murphys beim Frühstück erfreuen, sondern auch von vielen Meinungsführern wahrgenommen, die dort zu Gast sind. So oft über Konflikte gesprochen werde, dürfe man nicht vergessen, dass Kunst ganz wichtig für unser Leben und auch für die bilateralen Beziehungen sei, sagte der Botschafter in seiner in klarem Hochdeutsch gehaltenen Ansprache. Die Künstler, darunter Matthew Antezzo, Arturo Herrera und Kate Hers, erläuterten ihre Werke zum Teil persönlich. Paul Sietsema aus Los Angeles arbeitet zurzeit ohnehin in Berlin. An einem überraschend warmen Tag in New York ließ er seinen Mantel versehentlich in der Garderobe eines Museums zurück. Später hinterließ er absichtlich Gegenstände in Museumsgarderoben, weil ihn der Gedanke faszinierte, sie könnten Teil der Sammlung sein. Aus seiner eigenen Kollektion „Garderobenmarken“ entstand seine Collage über die Austauschbarkeit kultureller Werte. Sharon Lockhart konnte zwar nicht live dabei sein, trug aber mit Fotografien zu ihrem letztjährigen Berlinale-Beitrag „Lunch Break“ zu der Ausstellung bei.

Auch die Kinder des Botschafterpaares, Josh, Emma, Charlie und Sam, winkten in die Runde. Als der Botschafter erzählte, dass Hund Sasha aus Stuttgart das einzige Familienmitglied ist, das fließend deutsch spreche und also der Lehrmeister der Familie sei, erntete er Widerspruch von Kulturmanager Moritz van Dülmen: „Die werben doch gerade damit, dass sie alles außer Hochdeutsch können.“ Bellen könne der Hund immerhin auch und tue das oft und gern, sagte der Botschafter lachend. Elisabeth Binder

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