STADTMENSCHEN : Lesen und lesen lassen

Am Ende wischte sich der eine oder andere Zuhörer eine Träne aus dem Augenwinkel – so überaus traurig war die Liebesgeschichte, die eindringlich von Schauspielerin Alexandra Kamp bei der gestrigen Literarischen Soirée im Hotel Concorde gelesen wurde. Dabei lag die Schauspielerin barfuß und in einem seidigen Zipfelkleid fast schon ein bisschen lasziv auf dem Bett der Suite 1014. Durch das Fenster blickte stumm die Gedächtniskirche herein.

Weiter unten im Salon Opéra ging Guy de Maupassant das Thema „Liebe“ etwas distanzierter an. Gudrun Landgrebe las, ganz in Schwarz und auch sehr schön, die Geschichte „Totenvögel“. Und ganz unten gab es französische Köstlichkeiten von David Bonnefoy, dem Chef de Cuisine der Brasserie Le Faubourg. Schließlich sollte, wie Generaldirektor Carsten D. Colmorgen es in seiner Ansprache ausgedrückt hatte, das Hotel an diesem Abend „zu einer Bühne für das Savoir Vivre und die Literatur“ werden.

Diese Lesegala gab es schon zum zweiten Mal, wieder zugunsten des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung. Den vertrat unter anderem Jutta Stobbe. Die Gastwirtstochter ist völlig ohne Bücher aufgewachsen, konnte ihre mangelnden Lesekenntnisse aber so kaschieren, dass sie sogar den Hauptschulabschluss schaffte. Der Verband kümmert sich nicht nur um Menschen, die gar keine Ahnung vom Abc haben, sondern auch um solche, die nur so schlecht lesen können, dass sie beispielsweise Verträge nicht verstehen. Rund 250 Gäste genossen den Abend, an dem unter anderem auch noch Gesine Cukrowski und Heio von Stetten zeigten, dass man nicht immer selber lesen muss, um Vergnügen an der Literatur zu haben. Bi

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