STADTMENSCHEN : Mit Hollaender nach Wedding

Wo heute das Lichtburgforum in der Weddinger Gartenstadt Atlantic steht, traf man sich in den zwanziger Jahren im legendären Kino "Lichtburg", eines der kulturellen Zentren Berlins. Cornelia Froboess kennt sich dort aus.

Laura Wieland
Cornelia Froboess
Cornelia Froboess -Foto: ddp

Die Lichtburg kennt Cornelia Froboess noch von früher, als Kind ist sie oft daran vorbeigefahren. „Ich bin im Wedding aufgewachsen, am Gesundbrunnen“, sagt die Schauspielerin und Sängerin. Da passt es, dass sie dort am 7. März die neue Reihe „Wiedersehen mit den Großen“, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Tagesspiegel, eröffnet. „Ich gehöre in die Gegend“, sagt Froboess. Im Lichtburgforum wird sie einen Abend mit „Gören, Mädchen und Frauen“, unter anderen von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Friedrich Hollaender präsentieren.

„Die ,Großen‘“, mit denen es ein Wiedersehen im Lichtburgforum geben soll, sind bekannte Namen aus Politik, Kultur und Gesellschaft“, sagt Michael Wolffsohn vom Vorstand der Gartenstadt Atlantic: „Cornelia Froboess ist die ideale Persönlichkeit, um mit der Reihe zu beginnen.“ Das Großartige an ihr sei, dass sie trotz ihres Images als Schlagersängerin eine bedeutende Charakterdarstellerin geworden sei, die an allen großen Theaterhäusern aufgetreten ist. „Eine Berliner Göre bin ich aber geblieben“, sagt Froboess. Immer wieder gehe sie auf „sentimentale Reise“ durch Berlin, schließlich habe es sie vor 40 Jahren nach Bayern verschlagen. Aber Berliner bleibe man immer. Was sie empfindet, wenn sie das neue Berlin besucht? „Wenn ich hier lande und mit den Berliner Taxifahrern fahre, ist alles beim Alten“, sagt sie. „Aber natürlich hat sich alles mächtig verändert. Meine Mutter käme hier nicht mehr zurecht.“

Der Abend im Lichtburgforum läuft unter dem Titel „Am liebsten spielte ick uff unserm Hof“ – ein Lied, das ihr Vater komponierte und die „kleine Cornelia“ erstmals 1952 auf Schallplatte sang. „Das Lied entspricht meinem Herzen“, sagt sie. „Als wir Berliner Nachkriegskinder statt Spielplätze nur die Höfe hatten und in den Ruinen zwischen Minen- und Bombengräben gespielt haben – diese Zeit ist die schönste meiner Kindheit.“ Froboess schätzt vor allem Hollaenders „Lieder eines armen Mädchens“. Die Texte seien noch eindrucksvoller, wenn man sie ohne Melodie vortrage, weshalb sie die Lieder nicht singen, sondern erzählen werde. „Die Texte sind so traurig und lustig wie das Gemüt der Berliner“, sagt sie. „Die Berliner sind ja in einem ganz wunderbaren Maße sentimental – und dabei so kaltschnäuzig. Aber dahinter verbirgt sich ein großes Herz.“ Laura Wieland

Cornelia Froboess tritt am 7. März im Lichtburgforum auf, Behmstraße 13, Wedding. Die Veranstaltung ist ausverkauft, aber für Tagesspiegel-Leser sind noch 10 Karten erhältlich, die heute bei der Konzert-Direktion Adler unter 89 59 92 24 bzw. -23 zum Verkauf zur Verfügung stehen. Mehr Infos: www.lichtburgforum.de

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