STADTMENSCHEN  : Pfeile der Sehnsucht

Einer der Diskutanten fühlte sich richtig wohl im Angesicht von Mao, seinen bezopften Jungrevolutionärinnen an den Wänden und den kraftvollen Typen, die den Weg zum Siege weisen: Wir sitzen im exklusiven China Club und genießen das Für und Wider, mit dem sich der Journalist Matthias Matussek und der Philosoph und Autor Rüdiger Safranski dem Phänomen „Revolte und Glauben“ bei den 68ern nähern. Im milden Licht toleranten Verstehens bietet dieser China-Salon seinen Gästen einen Blick ins einstmals wilde Leben, das die beiden Herren in den Ledersesseln auf dem Podium früher geführt haben. Das war, als „der Pfeil der Sehnsucht über unsere Phantasie hinausflog“, erinnert sich Matussek, und Safranski hörte, wie damals heftig an die Tür der Zeit gepocht wurde. „Da hat es innerlich gebrannt, solch grandiosen Anfang wünsche ich jeder Generation“, sagt der Philosoph, „eine Portion Verrücktheit und Romantik gehört dazu“. Gerade heute fehle es daran, „die Dinge zum Tanzen zu bringen“ und der konfusen Zeit mit Spott und Frechheit zu begegnen. Und was war die größte Tat des 20. Jahrhunderts? Safranski: „Die Pille.“ Lo.

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